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Chapter 1 No.1
Erz?hlen will ich zun?chst von Gevatter Tod und Bazillen.
Es hat mancher heute eine eigene Krankheit, die Bazillenfurcht hei?t. Es nagt in ihm nicht der Tuberkelbazillus in der Lunge oder in den Knochen, nicht Eitererreger sind in seinem Blut. Wer von Bazillenfurcht befallen ist, krankt an Bazillen, die nicht in seinem K?rper, sondern au?er ihm sind. Man hat so viel von Bazillen geh?rt, so einseitig geh?rt, nur geh?rt und nicht durchdacht, da? man sie stets und überall – und soweit ja mit gutem Recht – wittert und in heller Angst heruml?uft, sie, die allgegenw?rtigen und b?sen, die unsichtbar sind wie Beelzebub und Astharote, spielten einem den Streich. Man krankt an der Furcht vor Bazillen.
Und der Hohepriester derer, die an Bazillenfurcht kranken, ist Herr Professor Metschnikoff in Paris, ein wirklich Gro?er in der modernen Naturwissenschaft … Da müssen wir schon eine Pause machen, um Metschnikoff bei seinem Morgenfrühstück zuzuschauen, über das ihn einmal ein Zeitungsmann ausgefragt hat.
Unsereiner nimmt ahnungslos Messer, Gabel und L?ffel in die Hand, so wie sie auf dem Tische daliegen. Ohne zu wissen, da? uns dabei direkte Lebensgefahr droht – von wegen der allgegenw?rtigen Bazillen natürlich. Metschnikoff ist da viel vorsichtiger. Und offenherzig genug, um zuzugeben, da? er Messer, Gabel und L?ffel vor dem Gebrauch an einer Flamme ausbrennt, um alle Keime abzut?ten. Unsereiner bei?t ahnungslos in seine Stulle und in seinen Weck, oder wie das Br?tchen sonst hei?en mag, ohne zu wissen, da? auf der goldbraunen Kruste des Br?tchens gef?hrliche Mikroben sitzen. Metschnikoff aber r?stet zun?chst das Brot, um den Bazillen den Garaus zu machen: denn er kennt ihre Schliche und Wege und geht ihnen nicht in die Falle. Unsereiner i?t Erdbeeren, ungebrüht und vielleicht sogar ungewaschen. Metschnikoff versagt sich den Genu? von Erdbeeren ganz – immer von wegen der Bazillen. Aber eine Banane will schlie?lich auch ein Metschnikoff essen. ?Hier sehen Sie," hat Metschnikoff so ungef?hr dem Zeitungsmann gesagt, ?ein paar Bananen, die ich mir gekauft habe, um sie nach Hause mitzunehmen. Weil diese Frucht mit einer dicken Schale bedeckt ist, glauben viele, da? die Bananen keine Bazillen haben. Weit gefehlt! Es sind doch welche drin, und in meinem Hause werden darum die Bananen immer erst gebrüht, bevor sie gegessen werden. Ich tauche sie etwa eine Minute lang in kochendes Wasser, und die Frucht verliert dabei nichts von ihrem Wohlgeschmack …"
Ist ja alles so weit sehr sch?n: aber die Zeit, die einer da zu seinem Morgenfrühstück braucht! Die kann sich wahrhaftig doch nicht jedermann leisten.
Aber was tut nicht einer, der dem Tode entrinnen will!
Denn mit dem Tod und den Bazillen ist es nach Metschnikoff folgenderma?en bestellt.
Wir sind alle von Bazillen bev?lkert, von Millionen und Abermillionen Bazillen, die in unserem Darme wohnen. Namentlich in dem unteren Teile des Darmrohres, im Dickdarm, sind die Bakterien[1] wohl zu Hause. Wie ungeheuer viele es sein m?gen: wenn man bedenkt, da? wir insgesamt an die sieben Meter Darm, und davon etwa anderthalb Meter Dickdarm herumtragen (Abb. 1)! Wollten wir die Bakterien z?hlen, die blo? in einem allerkleinsten Krümelchen unseres Darminhaltes drin sind, wir k?men schon in die Millionen hinein. über hunderttausend Milliarden Bazillen – also eine Million mal Million und dann noch mal hundert – werden es nach allerlei Berechnungen wohl schon sein, die wir in unserm Darm insgesamt beherbergen. Ein ganzes Drittel von dem, was wir aus dem Darm an einem Tage entleeren, sind lauter Bazillen!
Abb. 1. Schema des Verdauungsrohres. 1 Gaumen, 2 Mundspalte, 3 Zunge, 4 Schlund, 5 Kehldeckel, 6 Luftr?hre, 7 Speiser?hre, 8 Mageneingang, 9 Magen, 10 Magenausgang, 11 Zw?lffingerdarm, mit dem der Dünndarm beginnt, 12 Dünndarmschlingen, 13 übergang des Dünndarms in den Blinddarm, 14 Blinddarm, mit dem der Dickdarm beginnt, 15 Wurmfortsatz, 16, 17, 18 Dickdarm, 19, 20 Enddarm. Nach Rauber.
Und Metschnikoff hat sich gesagt, da? es diese Bazillenbev?lkerung ist, die uns ein frühes Grab gr?bt. Die Bakterien scheiden, wie alle andere lebendige Substanz, Stoffwechselprodukte aus, Schlacken des Lebens, wenn man will. Diese Stoffwechselprodukte gelangen aus dem Darm ins Blut. Zum Teil werden diese Stoffe, die in gr??eren Mengen zweifellos Gifte für die Zellen unseres K?rpers sind, von manchen arbeitsfreudigen Zellen des Zellenstaates, z. B. von den Zellen der Leber, abgefangen, zu ungiftigen Stoffen verarbeitet und durch die Nieren nach au?en abgeschieden. Die Leber hat eine Schutzaufgabe in unserem K?rper, Polizeifunktion, wenn man so will. Das sind Tatsachen, die jedermann kennt. Metschnikoff nun ist der Meinung, da? es mit dem Unsch?dlichmachen der Gifte, die von den Darmbakterien ins Blut gelangen, doch nicht so auf das allerbeste bestellt ist, wie man glauben m?chte. Denn man mu? bedenken, da? die Stoffe, die von den Bakterien des Dickdarms abgegeben werden, tats?chlich sehr starke Gifte sind. Sie geh?ren in die Gruppe des Karbols hinein, das jedermann als todbringendes Gift kennt. Man kann diese Gifte in den Ausscheidungen des Darms sowohl als der Nieren – hier in ver?ndertem Zustande – finden. Und da erscheint es auf den ersten Blick gar nicht so ohne, da? – wie Metschnikoff es will – die giftigen Stoffwechselprodukte der Darmbakterien daran schuld sind, da? wir früh alt werden und früh sterben.
Nun, einen direkten Beweis in diesen Dingen führen, das kann man natürlich nicht. Denn man mü?te ja dann seinen Versuch so einrichten, da? man zus?he, wie lange einer lebte, der keine Bakterien im Darm h?tte. Wir Menschen und ebenso alle Tiere haben aber stets ihr Bakterienvolk im Darm. Und dann: ein bi?chen langwierig w?re es schlie?lich doch, so zuzusehen, wie lange einer lebte, ob 100, 200 oder gar noch mehr Jahre. Unserer hastenden Zeit ginge dieses lange Zusehen nicht nach Geschmack … Metschnikoff blieb also nichts anderes übrig, als einen Umweg in seiner Beweisführung zu gehen. Er hat sich gesagt, da?, wenn seine Theorie richtig ist, dann diejenigen Tiere, die mehr Bakterien im Leibe haben, weniger lang leben mü?ten als jene, die nicht so viel Bakterien in ihrem K?rper beherbergen, d. h. die einen kürzeren Dickdarm haben. Wer unter den Tieren einen kurzen Dickdarm hat, der mu? nach Metschnikoff l?nger leben.
Metschnikoff hat nun die Lebensdauer der Tiere mit ihrer Darml?nge verglichen, und es hat sich dabei tats?chlich herausgestellt, da? diejenigen Arten, die durch einen kurzen Dickdarm ausgezeichnet sind, wie z. B. viele V?gel, eine sehr lange Lebensdauer haben, w?hrend z. B. die S?ugetiere, die einen viel l?ngeren Dickdarm haben, viel früher sterben. So weist Metschnikoff auf die Tatsache hin, da? z. B. Schw?ne, G?nse, Raben und manche Raubv?gel über 50 Jahre, Papageien und Kakadus sogar über 80 Jahre leben k?nnen. Dagegen sterben Hunde, Katzen, Pferde und andere S?ugetiere stets in einem viel jüngeren Alter: ihre Lebensdauer betr?gt in der Regel nicht mehr als 15 Jahre, und ein Alter von 30 Jahren geh?rt bei ihnen zu den seltensten Ausnahmen. Um ein sehr augenf?lliges Beispiel zu w?hlen: der Kanarienvogel hat eine Lebensdauer von etwa 20 Jahren, die etwa gleich gro?e Maus lebt h?chstens 6 Jahre. Mit der L?nge des Dickdarms nimmt nun selbstverst?ndlich die Menge der giftspendenden Bakterien zu, die das Tier in sich beherbergt. Und da war für Metschnikoff der Schlu? gegeben, da? es eben die Gifte der Darmbakterien sind, die die kürzere Lebensdauer der Tiere verschulden.
Nachdem Metschnikoff sich die Sache so zurecht gelegt hatte, da? die Bakterien am frühen Altern und Sterben von Tier und Mensch schuld seien, hat er sich gesagt, da? es doch heute eigentlich ein gro?es Unglück mit dem Altern und mit dem Sterben sei. Das Altern von heute sei wie eine Krankheit: unser K?rper wird ganz allm?hlich von den Darmbakterien vergiftet. Und wenn das Sterben und das Altern eine Krankheit ist, dann ist es ja die schlimmste Krankheit, die es gibt. Die Tuberkelbazillen und die Bazillen, die andere Krankheiten machen, t?ten die Menschen, die das Unglück hatten, sich mit diesen Krankheitserregern anzustecken. Die Darmbakterien aber hat jedermann in sich, alle Menschen sind mit ihnen behaftet, und die Menschen, die den Krankheiten sonst entronnen sind, gehen an der Vergiftung durch Darmbakterien zugrunde: sie werden früh alt und müssen früh sterben.
Das ist in Metschnikoffs Theorie des Pudels Kern: Wenn das Altern heute so etwas wie eine Bakterienkrankheit ist, dann ist klar, da? man dieses Altern und Sterben mit denselben Mitteln bek?mpfen mu?, wie jede andere Krankheit auch. Und es bot sich da für Metschnikoff das allbekannte Beispiel mit dem Alkohol. Wir wissen, da? das Alkoholgift unsern K?rper sch?digt, wenn er Tag für Tag genossen wird, da? auf dem Alkoholgenu? eine ganze Reihe von Krankheiten beruhen, an denen die Menschen nach langem Siechtum zugrunde gehen. Wir bek?mpfen dieses Siechtum, indem wir das Gift, den Alkohol, zu meiden suchen. Also: auch das Gift des frühzeitigen Alters, die Gifte der Darmbakterien, müssen von unserem K?rper ferngehalten werden, damit die Menschen l?nger leben und eines natürlichen Todes sterben k?nnten. Das war für Metschnikoff ein ganzes Programm: den Bakterien beikommen, die in unserem Dickdarm nisten.
Aber wie? Das war die gro?e Frage.
Metschnikoff hatte da zun?chst einen ganz radikalen Einfall. Es ist n?mlich eine Tatsache, da? wir in unserem sieben Meter langen Darm ein Organ haben, das für uns Menschen gut anders eingerichtet sein k?nnte, als es in Wirklichkeit ist. Der Darm ist viel, viel l?nger als wir ihn wirklich brauchen. Der Dickdarm ist für uns sogar v?llig nutzlos. Man kann einem Menschen den gr??ten Teil des Dickdarms herausschneiden, ohne seine Gesundheit zu beeintr?chtigen. Man hat bei manchen Patienten solche Operationen schon vornehmen müssen. Die Patienten, die an schweren Darmkrankheiten litten, und diese Operation durchmachen mu?ten, wurden vollst?ndig gesund. Für den Pflanzenfresser ist der Dickdarm wohl von Nutzen, denn der Pflanzenfresser braucht einen langen Darm: seine Nahrung ist schwer verdaulich und mu? l?ngere Zeit im Darm verweilen, und bei der Verdauung der Nahrung helfen hier sogar die Darmbakterien mit. Aber für uns Menschen ist der Dickdarm nicht nur nutzlos, sondern direkt sch?dlich. Denn ein Teil des Dickdarms, der Wurmfortsatz des Blinddarms, neigt beim Menschen sehr zu Erkrankungen, und jedermann wei?, wie gef?hrlich die Blinddarmentzündung ist, wenn man sie vernachl?ssigt, und da? schon manch blühendes Menschenleben an einer vernachl?ssigten Blinddarmentzündung zugrunde gegangen ist. Und was nicht alles noch an andern Krankheiten h?ufig genug den Dickdarm bef?llt!
Aber noch mehr! Nicht nur der Dickdarm ist zu lang oder gar nutzlos für uns: auch der Dünndarm ist zu lang geraten. Die ?rzte sind schon h?ufig genug in die Lage gekommen, einem Patienten kleinere oder gr??ere Stücke aus dem Dünndarm herauszuschneiden, und auch solchen Patienten geht es nach der Operation gut. Vor einigen Jahren hat der Amerikaner Underhill gezeigt, da? man Hunden einen sehr betr?chtlichen Teil des Dünndarms entfernen kann, ohne die Tiere in ihrer Gesundheit zu beeintr?chtigen. So schnitt Underhill seinen Hunden zun?chst 2/5 ihres Dünndarms heraus. Die Hunde blieben am Leben, verdauten wie immer ihre Nahrung und nahmen unverdrossen an Gewicht zu. Erst wenn 2/3 des Darms den Versuchstieren weggenommen waren, ging es den Tieren schlecht: mit dem letzten Drittel ihres Dünndarmes konnten sie wohl doch nicht mehr so viel verdauen, als n?tig war, und sie nahmen jetzt an Gewicht ab. Nun braucht ja das, was Underhill für den vorwiegend fleischfressenden Hund nachgewiesen hat, nicht gerade in genau demselben Ma?e für den Menschen zu gelten, da wir ja neben Fleisch auch pflanzliche Nahrung zu uns nehmen, deren Verdauung schwieriger ist und einen l?ngeren Darm verlangt. Aber wahrscheinlich ist es doch, da? wir einen zu langen Darm haben und ein gut Teil davon zu unserem Nutz und Frommen wohl einbü?en k?nnten.
Also war der radikale Einfall von Metschnikoff der, da? man den Menschen den Dickdarm herausschneiden solle, um ihnen damit ein langes Leben zu schenken.
Aber der Gedanke war doch zu radikal, um zu Ende gedacht zu werden. Auch seinen eigenen Dickdarm, geschweige denn einen Teil seines Dünndarms, hat Metschnikoff nicht für seine Idee als Opfer auf den Altar der Menschheit legen wollen. Er hat diesen radikalen Weg zur Lebensverl?ngerung für eine ferne Zukunft vorbehalten und ist für heute einen Kompromi? eingegangen.
Wer's ihm da angetan hatte? Sehr einfach: zun?chst blo? ein Topf saurer Milch. Oder nein, es sind eigentlich wiederum Bazillen, die da im Spiele waren. Aber dieses Mal Bazillen, die wohlt?tig sind: die Bakterien der sauren Milch, die nach Metschnikoff mit gar artigen Eigenschaften ausgezeichnet sind. Die Sache verh?lt sich hier folgenderma?en. Das Sauerwerden der Milch beruht darauf, da? die sog. Milchs?urebakterien, die sich schon innerhalb 24 Stunden in der Milch zu ganz gewaltigen Mengen vermehren, den Milchzucker verg?ren. Aus dem Milchzucker entsteht dabei eine S?ure, die man Milchs?ure nennt. Die macht die Milch sauer und macht sie dick, denn in der anges?uerten Milch ballt sich das Kasein, der Eiwei?stoff der Milch zusammen, das Eiwei? der Milch gerinnt dabei genau so, wie das Hühnereiwei? beim Kochen gerinnt. Worauf es Metschnikoff aber ankam, das ist der Umstand, da? die S?ure ein Mittel ist gegen Bakterienf?ulnis. Die Bakterien, die eine F?ulnis von abgestorbener lebendiger Substanz hervorrufen, k?nnen ihre Wirkung nicht tun, wenn es rings um sie sauer ist. So verhindert z. B. der saure Magensaft, der sich auf die genossenen Speisen im Magen ergie?t, die F?ulnis der Speisen. Hier im sauren Magensaft k?nnen die f?ulniserregenden Bakterien nicht gut aufkommen und sie k?nnen hier ihre Gesch?fte nicht betreiben. Erst im Darm, wo die Verdauungss?fte nicht mehr sauer, sondern alkalisch sind, d. h. wo die Bakterien in einer stark verdünnten Lauge schwimmen, da beginnt die F?ulnis der Nahrung oder der Nahrungsreste. Das ist namentlich im Dickdarm der Fall, und von hier gelangen all die sch?dlichen Stoffe der F?ulnis in den Kreislauf des Blutes, in den Zellenstaat hinein. Gut, hat sich Metschnikoff gesagt, machen wir den Bakterien im Darm das Leben sauer! Trinken wir saure Milch! Wir bev?lkern dann unsern Magen und unsern Darm mit Milchs?urebakterien und ekeln einfach die F?ulnisbakterien heraus!
Das war Metschnikoffs Losung im Kampfe gegen Gevatter Tod: nicht mit Lanze und Speer zog er aus in den Kampf, sondern mit einem Tro? von Bazillen gegen Bazillen.
Abb. 2. Pantoffeltierchen. Sehr stark vergr??ert. mf Mundfeld, m Mund, sch Schlund, na Nahrungsballen, ps pulsierendes Bl?schen (Vakuole) ma Gro?kern, mi Kleinkern. Rings um den Protoplasmaleib herum sieht man die Wimperh?rchen, mit denen die Zelle im Wasser schl?gt und sich fortbewegt. Aus Stridde.
Wer an Bazillenfurcht krankt, schüttelt ungl?ubig den Kopf. Mit Unrecht. Denn soweit es sich um die gesundheitssch?dliche Wirkung starker F?ulnisvorg?nge im Darm handelt und um die M?glichkeit, diese F?ulnis durch eine Milchdi?t zu bek?mpfen, hatte sich Metschnikoff ja an Tatsachen gehalten. Hier kann man Meister Metschnikoff nichts anhaben, hier hat er recht. Die Frage ist aber die, ob die Darmbakterien, die die F?ulnisstoffe im Dickdarm produzieren, wirklich die b?sen Geister sind, die uns ins frühe Grab bringen. Doch Metschnikoff hat sich mit dieser Frage nicht weiter abgeben wollen und er ist von nun an nur einem Ziele nachgegangen: den Kampf von Bazillen gegen Bazillen im Darm m?glichst zuungunsten derjenigen Bakterien zu gestalten, die seiner Meinung nach uns das frühe Grab graben. Corriger la fortune!
Was da Metschnikoff nicht alles ersonnen und versucht hat, denkt sich unsereiner gar nicht aus. Zu den Bulgaren war er in die Lehre gegangen und er hat ihnen ihre saure Milch, den Yoghurt, abgeguckt. Ja, die Bulgaren waren ein fetter Braten für Metschnikoffs Theorie von der Bedeutung der sauren Milch im Kampfe gegen Gevatter Tod. In keinem andern Lande gibt es n?mlich so viel alte Leute wie in Bulgarien. Da laufen die Menschen von über hundert Jahren zu tausenden herum. Aha, hat sich Metschnikoff gesagt, das ist alles von wegen der sauren Milch, von wegen des Yoghurts, den die Bulgaren trinken. Das w?re nun ein Elixier, noch viel wirksamer als die gew?hnliche dicke Milch. Also trinket, ihr Kinder des Todes, dicke Milch oder Yoghurt und ihr werdet alt werden wie Methusalem! Euern langen Darm braucht ihr nicht herzugeben, das sei euern Urenkeln überlassen. Vielleicht werdet ihr sogar noch Augenzeugen davon sein …
Wer wird nun aber immer wieder und wieder dicke Milch trinken wollen! Mancher tuts wohl sein Leben lang, aber nach jedermanns Geschmack ist das doch nicht. Nun, habt ihr nach dicker Milch kein Begehr, euch ist trotzdem geholfen. Denn Metschnikoff kommt euch dann mit einem E?l?ffel voll Bakterien der sauren Milch, die ihr in konzentrierter Form essen k?nnt, genau so, wie wenn einer Hefe ??e. Die Hefe ist nichts anderes als ein Ballen von vielen Millionen kleiner Lebewesen, der Hefezellen. Und wenn man Hefe zu den Speisen, z. B. zum Brot fügt, warum nicht auch ?Laktobazillin", die Bakterien der sauren Milch, die ihr sogar in Pastillenform in der Apotheke kaufen k?nnt. Für billiges Geld habt ihr euch langes Leben erkauft, tragt euer Glück in der Tasche. Und all das von wegen der Bakterien, die ihr im Kampfe gegen die b?sen, todbringenden Bakteriengeister in euerm Dickdarm wohl gebrauchen k?nnt.
Metschnikoff ist bei den Bakterien der sauren Milch und des Joghurts nicht stehen geblieben. Wie ein gro?er Feldherr mit seinen Soldaten gegen die feindlichen Heerscharen, so rückt Metschnikoff immer aufs neue mit allerlei treuen Bakterien gegen die verr?terischen Dickdarmbakterien vor. Er sammelt seine Scharen, verfügt, disloziert … Er hat Bakterienarten ausfindig gemacht, die noch viel wirksamer sind im Kampfe gegen die Bakterien des Dickdarms als die Bakterien der sauren Milch und des Joghurts. Und es ist gar nicht abzusehen, wie weit Metschnikoff es im Verein mit seinen getreuen Bakterien noch bringen wird: denn im Zeichen der Bakterien leben wir heute …
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