/1/115138/coverbig.jpg)
Chapter 3 Die Berliner Vermittlungst tigkeit
Die Vermittlungst?tigkeit der Herren v. Bethmann und v. Jagow, die den zweiten Punkt ihrer Rechtfertigung bildet, war nur eine sekund?re. Sie beschr?nkte sich im wesentlichen darauf, die Vermittlungsvorschl?ge der Herren Grey und Sasonow aufzufangen, einen Teil davon zur Schonung der ohnedies von ihnen sehr bezweifelten Energie des Bundesgenossen bei sich zu behalten, die anderen Vorschl?ge nach Wien weiterzugeben und sie dort mit mehr oder auch weniger Nachdruck zu empfehlen. Wenn man die deutsche mit der ?sterreichischen Aktensammlung, die beide vollst?ndig sind, daraufhin vergleicht, bemerkt man mit Befremden, da? nur ein schwaches Echo der fieberhaften Vermittlungst?tigkeit der Entente-Staatsm?nner durch die Berliner Zwischenstation Wien erreicht hat. Berlin diente als Schalld?mpfer, w?hrend Grey und Sasonow sich mit ihren Vorschl?gen gerade deswegen an Berlin wandten, weil sie es f?lschlich für ein schallverst?rkendes Medium im Verkehr mit den harth?rigen Wienern hielten. Unmittelbar nach dem Ultimatum, da die Gegner, die sich noch nicht gesammelt hatten, am nachgiebigsten waren, ist selbst von der brieftr?gerhaften Vermittlungst?tigkeit der Berliner Herren nichts zu bemerken. Den Vermittlungsvorschlag Greys vom 24. Juli, seinen Konferenzvorschlag vom 26. Juli lehnen sie, ohne Wien zu fragen, ab[59] und den Fristverl?ngerungsvorschlag Greys vom 24. Juli geben sie, wie oben gezeigt, nur mit einer negativen Empfehlung nach Wien weiter, Sasonows oben erw?hnte Anregungen vom 26. Juli bleiben ohne Antwort. Erst nachdem Herr v. Bethmann am 27. Juli die für die ausgesprochenen Wünsche ?sterreich-Ungarns in der Hauptsache befriedigende und deswegen gerade für die unausgesprochenen Wünsche umso unbefriedigendere Antwort Serbiens gelesen, erwacht er aus der Ruhe, mit der er bisher das vermeintlich fein erklügelte Spiel des Grafen Berchtold verfolgt hat, und fürchtet in dem schon angeführten dringenden Telegramm an Herrn v. Tschirschky vom 28. Juli, da?, wenn die deutsche Regierung ?an ihrer bisherigen Zurückhaltung" gegenüber den englisch-russischen Vermittlungsvorschl?gen festhielte, ?das Odium, einen Weltkrieg verschuldet zu haben" - Herr v. Bethmann scheut dieses Odium, aber nicht den Weltkrieg selbst -, auf Deutschland fallen k?nnte. Er übermittelt auch gleichzeitig den Vorschlag des Kaisers Wilhelm auf vorübergehende Faustpfandbesetzung Belgrads zur Mitteilung an die Wiener Regierung, zun?chst noch mit der beschwichtigenden Verwahrung, da? er ??sterreich nicht zurückzuhalten wünsche[60]". Als er dann aber am 29. Juli nachmittags aus einem Telegramm des Londoner Botschafters - man mu? fast annehmen: zu seinem Schrecken - erfahren hat, da? Serbien sich sogar bereit erkl?rt hat, ?auch die Artikel 5 und 6 der ?sterreichischen Note, mithin also alle Forderungen zu schlucken[61]"; als er dann am Abend desselben 29. Juli ein zweites Telegramm des Londoner Botschafters erh?lt, in dem ihn Grey dringend bitten l??t, die Vermittlung euphemistisch ?wieder" aufzunehmen, Grey ferner einen dem des Kaisers ?hnlichen Vorschlag der vorl?ufigen Besetzung Belgrads macht, aber auch für den Fall des Ausbruches eines Krieges zwischen den Gro?m?chten, den er als ?die gr??te Katastrophe kennzeichnet, die die Welt je gesehen hat", die Beteiligung Englands an Seite Frankreichs und Ru?lands in Aussicht stellt[62], erst da f?ngt Herr v. Bethmann, indem er dieses Lichnovsky-Telegramm nach Wien weitergibt, an, so ernst mit Wien zu sprechen, als er es vom Anfang an h?tte tun sollen[63]. Es ist das jenes Telegramm, das Herr v. Bethmann zu seiner Entlastung in seiner Reichstagsrede vom 9. November 1916 ausgenützt hat. Am Abend des 29. erreichte die Berliner Regierung noch eine Hiobsbotschaft. Der Petersburger Botschafter meldete, da? Sasonow sich darüber beklagt habe, da? das Wiener Kabinett den Wunsch der Petersburger Regierung nach direkten Besprechungen ?kategorisch" abgelehnt habe, und da? ferner Sasonow auf Befragen ?unmittelbar bevorstehende Mobilmachung nicht in Abrede gestellt habe[64]". Auch dieses Telegramm gibt der Reichskanzler noch in der Nacht vom 29. auf den 30. nach Wien weiter, diesmal aber mit einer ganz kr?ftigen Apostrophe an die Wiener Regierung, wonach sich die Berliner ?nicht leichtfertig und ohne Beobachtung unserer (der Berliner) Ratschl?ge in einen Weltbrand hineinziehen lassen" wolle, es ist das jenes Telegramm, auf das sich Herr v. Bethmann am 19. August 1915 im Reichstag zu seiner Entlastung berufen hat. Doch kamen diese beiden Vermittlungsaktionen ?zu sp?t", wie der Kaiser selbst in seiner Randnotiz zu der Meldung von der Wiederaufnahme der direkten Besprechungen zwischen Wien und Petersburg am 30. Juli bemerkt[65]. Und fünf Jahre sp?ter ist Herr v. Bethmann, der die Tadelnotiz des Kaisers am 1. August 1914 zur Kenntnis genommen hat, noch in der Laune, in seinem Buche zu behaupten: ?Deutsche Vers?umnisse liegen also nicht vor[66]." Man hat bei solchen ?u?erungen des Herrn v. Bethmann wie des Herrn v. Jagow nur die Wahl zwischen der Annahme von B?swilligkeit und der von Begriffsstützigkeit.
Es sind im ganzen drei Vermittlungserfolge in Wien, die die deutschen Staatsm?nner im Stande der Verteidigung für sich geltend machen:
1. Die nach langem H?ngen und Würgen am 27. Juli wiederholte Erkl?rung der Wiener Regierung, da? sie in Serbien keine territorialen Eroberungen beabsichtige - eine reservatio mentalis, da man in Wien nach wie vor, wie Graf Hoyos schon am 5. Juli in Berlin ausgeplaudert hatte, die Aufteilung Serbiens plante; das erfuhr v. Bethmann am 28. nochmals aus einem Londoner Bericht, zu dem er die Randbemerkung machte: ?Diese Zweideutigkeit ?sterreichs ist unertr?glich[67]". Und das soll eine erfolgreiche Berliner Vermittlung sein!
2. Die Wiederaufnahme der direkten Besprechungen zwischen Wien und Petersburg, aber wieder mit dem den Vordersatz aufhebenden Nachsatz, da? es sich dabei nur um ?Erl?uterungen" zum Ultimatum handeln dürfte und da? Graf Berchtold ?es bestimmt ablehnen müsse, über die einzelnen Punkte der Note an Serbien - deren Berechtigung usw. - zu diskutieren[68]". Und dennoch schreibt wieder der gewesene Staatssekret?r und Vizekanzler Dr. Helfferich in seinem Kriegsbuch, da? es dem Kaiser und dem Reichskanzler gelungen sei, ?bei ?sterreich-Ungarn ein Einlenken in Sachen des Ultimatums durchzusetzen[69]" - wo doch Graf Berchtold dies ?bestimmt abgelehnt" hat. Also wieder ein merkwürdiger Erfolg der Berliner Vermittlung!
3. Die Annahme des Faustpfandvorschlages. Auf diesen letzteren Punkt legt Herr v. Jagow in seinem Buche das Hauptgewicht. ?Wien ist auch unserem Ratschlage gefolgt", jubelt er.[70] Das ist aber gar nicht wahr. Am 31. Juli antwortete Kaiser Franz Joseph selbst dem deutschen Kaiser auf dessen Faustpfandvorschlag vom 30. Juli in ?rgerlichem Ton: ?Ich kann eine solche Intervention (des Zaren, auf dessen Telegramme Kaiser Wilhelm sich zur Unterstützung seines Vorschlages berufen hatte) unm?glich zugeben. Ich bin mir der Tragweite meiner Entschlüsse bewu?t[71]." In diesem Sinne meldete auch Graf Sz?gyeny am selben Tage dem Berliner Ausw?rtigen Amt: ?Auf Grund Allerh?chster Entschlie?ung ist entschieden, Krieg gegen Serbien durchzuführen[72]", w?hrend der Vermittlungsvorschlag, gleichzeitig von Kaiser Wilhelm und der englischen Regierung gestellt, dahin ging, den Krieg nicht durchzuführen, sondern sich mit der Besetzung des von den Serben ger?umten Belgrad zu begnügen. Im Wiener gemeinsamen Ministerrat vom 31. Juli, der über diese ?dringendsten und nachdrücklichsten" Berliner Vorschl?ge beriet, teilte Graf Berchtold mit, ?Seine Majest?t habe den Antrag genehmigt, da? wir es zwar sorgsam vermeiden, den englischen Antrag in meritorischer Hinsicht anzunehmen, da? wir aber in der Form unserer Antwort Entgegenkommen zeigen und dem Wunsche des deutschen Reichskanzlers, die (englische) Regierung nicht vor den Kopf zu sto?en, auf diese Weise entgegenkommen[73]". In diesem Sinne wurde dann auch ein einmütiger Beschlu? gefa?t. Und da sagt dann Herr v. Jagow: ?Wien ist auch unserem Ratschlage gefolgt" und fügt scheinheilig hinzu: ?Ru?lands Bedrohung unserer Sicherheit durch die gegen uns gerichtete Gesamtmobilmachung hat jede Verst?ndigung vereitelt, den Weltkrieg entfesselt[74]." Aber, wenn Ru?land nicht am 31. Juli die Gesamtmobilmachung ins Werk gesetzt h?tte, so w?re die Verst?ndigung an Wiens Widerstreben gescheitert. Statt über sie zu klagen, h?tten die deutschen Staatsm?nner allen Grund, die russische Gesamtmobilmachung zu preisen, denn nur sie hat es ihnen erm?glicht, durch die ganzen fünf Kriegsjahre ihre These zu verfechten, da? Wien am 31. Juli zur Verst?ndigung bereit gewesen sei. H?tte Ru?land nicht mobil gemacht, so w?re im weiteren Verlauf der Verhandlungen gar bald die Wahrheit herausgekommen, die die Welt jetzt erst aus den versp?tet publizierten deutschen und ?sterreichisch-ungarischen Aktensammlungen erf?hrt, da? Wien am 31. Juli nur bereit war, der Welt Sand in die Augen zu streuen, in der Sache selbst - Strafexpedition gegen Serbien - sich nicht um Haaresbreite von seinen Absichten hat abbringen lassen.
Doch auch auf deutscher Seite sieht es mit der vielgerühmten Vermittlungst?tigkeit etwas sch?big aus. Es handelt sich den deutschen Staatsm?nnern gar nicht darum, Blutvergie?en zu vermeiden, im Gegenteil, sie sind für den Krieg gegen Serbien, dr?ngen sogar ?sterreich-Ungarn, m?glichst bald loszugehen und sind bitter entt?uscht, da sie am 26. Juli vom Chef des ?sterreichisch-ungarischen Generalstabes Baron Conrad erfahren, da? ?sterreich-Ungarn - ?nur langsam voran" - erst am 12. August den Vormarsch gegen Serbien beginnen kann[75]. Die deutschen Staatsm?nner sind nur für die ?Lokalisierung" des Krieges, d. h. die anderen M?chte sollen ruhig zusehen, wie der 52 Millionenstaat über den 4 Millionenstaat herf?llt. Die Lokalisierung war eine politische Unm?glichkeit, ein Unding. Ru?land war nach allem Vorausgegangenem moralisch verpflichtet, Serbien beizustehen. Wie oft hatten die ?sterreichisch-ungarischen Offizi?sen in früheren Jahren die Serben verh?hnt, mit der Voraussage, da? ihr Protektor sie doch im entscheidenden Moment wieder im Stiche lassen würde, wie auf dem Berliner Kongre? 1878! Kaiser Franz Joseph ebenso wie Graf Berchtold, hatten von allem Anfange an mit Ru?lands kriegerischem Eingreifen gerechnet. Auch die deutschen Staatsm?nner setzten das noch im Wei?buch vom August 1914 als selbstverst?ndlich voraus, woraus aber kraft des europ?ischen Allianzsystems der Weltkrieg mit unaufhaltsamer Konsequenz sich von selbst ergab. In seiner Instruktion an die preu?ischen Gesandten bei den deutschen Bundesregierungen vom 28. Juli erkl?rte Herr v. Bethmann mit biederem Tonfall, Ru?lands Eintreten für Serbien sei ?gewi?" ?sein (Ru?lands) gutes Recht[76]", was ihn aber nicht verhinderte, gegenüber Lichnovsky und Grey, die beide vom Anfang an vor dem Lokalisierungswahn gewarnt hatten, am selben 28. Juli ebenso bieder das Gegenteil zu behaupten: ?... so wenig k?nnen wir ein Recht Ru?lands oder gar der Triple-Entente anerkennen, für die serbischen Umtriebe gegen ?sterreich einzutreten[77]." Und dieser selbe Herr v. Bethmann regt sich in moralischer Entrüstung gegen ?Berchtolds Politik mit doppeltem Boden" und gegen seine ?Zweideutigkeiten" auf! Wie wenig die Berliner Staatsm?nner gegen den Krieg mit Serbien waren, mag man auch daraus ersehen, da? Herr v. Jagow, als er am 25. Juli das schon früher erw?hnte Telegramm des Londoner Botschafters mit Greys Bitte um Fristverl?ngerung des Ultimatums in der bereits besprochenen kontrasuggestiven Art nach Wien weitergab, den Schlu?absatz dieses langen Schriftstückes weglie?, wonach man im Foreign Office ?Grund zur Annahme habe, da? ?sterreich die Widerstandskraft Serbiens sehr untersch?tze; es werde auf jeden Fall ein langwieriger, erbitterter Kampf werden, der ?sterreich-Ungarn ungemein schw?chen und an dem es sich verbluten werde[78]." Warum hat Herr v. Jagow gerade diese S?tze gestrichen? Wohl, weil sie Wien, dessen Wankelmütigkeit man in Berlin immer fürchtete, vom Feldzug gegen Serbien h?tten abschrecken k?nnen.
Doch als man in Berlin endlich die Unm?glichkeit der Lokalisierung des Krieges eingesehen hat, welchen Zweck hat dann die weitere Vermittlungst?tigkeit der Berliner Staatsm?nner? Wieder, nicht Blutvergie?en zu vermeiden, sondern für den Weltkrieg, dem sie nun gefa?t entgegensahen, Stimmung zu machen, das Odium dafür auf Ru?land abzuw?lzen. Als Herr v. Bethmann am 27. Juli zum ersten Mal einen von Grey gestellten Vermittlungsantrag, den er doch nicht wieder a limine abweisen kann, nach Wien weitergibt, begründet er dies mit dem lediglich taktischen Argument, da? ?wir als die zum Kriege Gezwungenen dastehen müssen[79]". Am 28. Juli befürwortet er gegenüber Wien den kaiserlichen Faustpfandvorschlag damit, da? ?das Odium, einen Weltkrieg verschuldet zu haben", sonst in den Augen des deutschen Volkes auf die deutsche Regierung zurückfiele; es handle sich bei der Graf Berchtold empfohlenen Demarche in Petersburg darum, ?die Bedingungen, unter denen der Weltkrieg, wenn dieser schlie?lich nicht zu vermeiden ist, für uns nach Tunlichkeit zu verbessern[80]", schlie?t Herr v. Bethmann in ganz gesch?ftsm??igem Ton - corriger la fortune. Recht gelehrig verdolmetscht Herr v. Tschirschky am 29. Juli die Auftr?ge seines Chefs dem Grafen Berchtold mit den Worten, der Vermittlungsvorschlag des Reichskanzlers sei ?durchaus nicht dahin zu verstehen, als würde der Reichskanzler damit einen Druck auf Wien ausüben wollen oder als l?ge ihm der Wunsch nahe, ?sterreich-Ungarn von seiner Aktion zurückzuhalten", sondern im Fall des Weltkrieges solle ?Ru?land allein die Schuld treffen[81]". ?Die Verweigerung jedes Meinungsaustausches mit Petersburg - telegraphiert Herr v. Bethmann am 30. Juli mahnend an das saumselige Wien - würde ein schwerer Fehler sein[82]", ein Kunstfehler, aber beileibe kein Verbrechen. Dem Kaiser sagte er am selben Tage, da? sein Dr?ngen in Wien den Zweck habe, ?die Schuld Ru?lands zu vergr??ern[83]". In einem aus anderen Gründen sp?ter zurückgezogenen Telegramm an den Wiener Botschafter vom selben Tage sagt er ge?ngstigt: ?Wenn Wien den letzten Greyschen Vorschlag ablehnt, ist es kaum mehr m?glich, Ru?land die Schuld an der ausbrechenden europ?ischen Konflagration zuzuschieben[84]". Im preu?ischen Ministerrat vom selben Tage wiederholt er es zum vierten Mal an diesem 30. Juli, da? der Grund seiner Vermittlungst?tigkeit der sei: ?Es mü?te der gr??te Wert darauf gelegt werden, Ru?land als den schuldigen Teil hinzustellen[85]". Die Schuld Ru?land ?zuschieben", Ru?land als den schuldigen Teil ?hinstellen", diese Ausdrücke sind nicht der Welt der Wahrheit, sondern der des Scheins und der advokatorischen Verstellungskunst entnommen. Es ist die geschickte Regie des Weltkrieges, um die es sich Herrn v. Bethmann handelt, nicht aber die Vermeidung des Weltkriegs, für die sich wiederholt Grey in so eindrucksvollen, prophetischen Worten und gelegentlich auch Sasonow einsetzt.
In demselben engen Geleise l?uft auch die pers?nliche Vermittlungsaktion des Kaisers Wilhelm II., von der in der ?ffentlichen Diskussion so viel Aufhebens gemacht worden ist. Er mutet dem Zaren in einem Telegramm vom 29. Juli zu, ?dem ?sterreichisch-serbischen Krieg gegenüber in der Rolle des Zuschauers zu verharren, ohne Europa in den schrecklichsten Krieg hineinzuziehen, den es je gesehen hat[86]" - also wieder nur die Lokalisierung. Mit dem unabweislich pathetischen Ton, in dem Kaiser Wilhelm den Zaren und den K?nig von England in seinen so oft zitierten Telegrammen zum Stillehalten beschw?rt, vergleiche man den scheuen, eine Ablehnung von vornherein erleichternden Ton des einzigen, von des Kaisers Regierung wohlweislich nicht ver?ffentlichten Telegramms, das Kaiser Wilhelm in der Vermittlungsaktion dem Kaiser Franz Joseph schickt. Es betrifft seinen eigenen und Greys Faustpfandvorschlag, ist vom 30. Juli datiert und lautet:
?Die pers?nliche Bitte des Zaren, einen Vermittlungsversuch zur Abwendung eines Weltbrandes und Erhaltung des Weltfriedens zu unternehmen, habe ich nicht ablehnen zu k?nnen geglaubt und Deiner Regierung durch meinen Botschafter gestern und heute Vorschl?ge unterbreiten lassen. Sie gehen unter anderem dahin, da? ?sterreich nach Besetzung von Belgrad oder anderer Pl?tze seine Bedingungen kundg?be. Ich w?re Dir zu aufrichtigem Danke verpflichtet, wenn Du mir Deine Entscheidung m?glichst bald zugehen lassen wolltest.
In treuer Freundschaft
Wilhelm[87]".
Nicht ein Wort der Empfehlung, geschweige denn der Beschw?rung, wie in den Telegrammen an den Zaren und den K?nig von England! Und darnach sagte Herr v. Bethmann in der Reichstagssitzung vom 4. August 1914, die Vermittlungsaktion in Wien sei von Berlin ?in Formen" geführt worden, ?welche bis an das ?u?erste dessen gehen, was mit unserem Bundesverh?ltnis noch vertr?glich war!" Zahmer, submisser, unsicherer hat der deutsche Kaiser wohl nie gesprochen als in diesem Telegramm. Kaiser Franz Joseph hat denn auch Wilhelm II., wie bereits in anderem Zusammenhang erw?hnt, recht unwirsch einen Korb gegeben.
Chapter list
5 chapters total
/0/12840/coverbig.jpg)
/1/115494/coverbig.jpg)
/1/115368/coverbig.jpg)
/1/115708/coverbig.jpg)
/1/113366/coverbig.jpg)
/1/131881/coverbig.jpg)
/1/132108/coverbig.jpg)
/1/131849/coverbig.jpg)
/1/131922/coverbig.jpg)
/1/131948/coverbig.jpg)
/1/131810/coverbig.jpg)
/1/132120/coverbig.jpg)