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Kapitel 2
Luise POV:
Ein schrilles Geräusch riss mich aus einem unruhigen Schlaf. Mein Handy klingelte. Es war Fabians Mutter. Wieder einmal. Ihre Anrufe waren in den letzten Monaten häufiger geworden, ihre Botschaften dringlicher. Sie wollte Enkel. Viele Enkel. Eine Flach-Dynastie.
Ich drückte genervt auf "Lautsprecher", ohne darüber nachzudenken. Fabians Mutter plapperte los, ihre Stimme hallte durch das Schlafzimmer. „Luise, mein Liebling, ich habe gehört, dass Caterina schwanger ist! Ist das nicht wunderbar? Ihr solltet euch ein Beispiel nehmen. Die Zeit rennt, Schatz. Wir wollen doch alle, dass Fabian bald einen Erben hat! "
Gerade als ich das Telefon weglegen wollte, öffnete sich die Schlafzimmertür. Fabian stand im Türrahmen, sein Blick war finster. Er hatte meine Worte von gestern Nacht nicht vergessen. Und jetzt hörte er auch noch die Worte seiner Mutter.
Sein Gesicht verzerrte sich. „Was zum Teufel soll das, Luise? Wünschst du dir etwa, dass jeder unsere Privatgespräche mithört? Oder ist das deine subtile Art, mich zu blamieren? "
Ich versuchte, das Gespräch zu beenden, aber es war zu spät. Fabians Mutter, unbeeindruckt von meiner plötzlichen Stille, redete weiter: „Du weißt, Luise, wie wichtig die Fortführung der Linie ist. Fabian ist unser einziger Sohn. Er braucht einen Erben. Und du bist seine Frau. Es ist deine Pflicht! "
Fabian riss mir das Telefon aus der Hand, beendete das Gespräch und warf es auf das Bett. Es prallte von der weichen Matratze ab und landete mit einem dumpfen Geräusch auf dem Teppich. Seine Augen funkelten vor Wut.
„Meine Pflicht? ", zischte er, seine Stimme war kaum mehr als ein zorniges Flüstern. Er packte meinen Arm, seine Finger gruben sich schmerzhaft in mein Fleisch. „Du sprichst von Pflicht, wenn du dich nicht einmal bemühst, meinen Erwartungen gerecht zu werden? "
Ich versuchte, meine Hand wegzuziehen, aber sein Griff war eisern. „Fabian, das ist nicht fair! Ich habe es versucht… "
„Versucht? ", unterbrach er mich, sein Lachen war kalt und bitter. „Du hast nichts von dem versucht, was dir obliegt. Schau dich an. Dieses billige Nachthemd, das aussieht, als hättest du es vom Grabbeltisch. Wer soll dich so auch nur ansehen wollen? " Sein Blick verweilte auf meinem Körper, nicht mit Begierde, sondern mit offenem Ekel.
In seinen Augen sah ich einen flüchtigen Schatten. Eine Erinnerung, die er schnell unterdrückte. Eine Erinnerung an die ersten Monate unserer Ehe, als er mich noch mit einer anderen Art von Kälte angesehen hatte. Nicht mit Ekel, sondern mit einer seltsamen Mischung aus Distanz und einer fast schon schmerzhaften Verachtung, die ich damals nicht verstand. Ich hatte ihn manchmal heimlich dabei beobachtet, wie er meinen Körper musterte, ein abwesender, fast schon trauriger Ausdruck auf seinem Gesicht. Er hatte meine Figur gelobt, meine Haut. Aber es war immer mit einer Distanz geschehen, als würde er ein Gemälde betrachten, das ihm nicht gehörte. Seltsamerweise hatte ich das Gefühl, dass er vielleicht sogar mehr verlangte, als nur Sex, aber ich wusste nicht, wie ich seine Mauern durchbrechen sollte.
Der Gedanke zuckte durch meinen Kopf: Hatte er mich jemals wirklich begehrt? Oder war es nur Teil seiner Inszenierung gewesen? Die Kälte in seinen Augen jetzt war eindeutig: Verachtung.
Er ließ meinen Arm los, als hätte er sich an mir verbrannt. „Zieh dich an. Wir fahren. "
„Fahren? Wohin? ", fragte ich verwirrt.
„Das geht dich nichts an. Sei in zehn Minuten fertig. " Er drehte sich um und stürmte aus dem Zimmer.
Ich stand alleine im Raum, mein Herz pochte wie wild. Was hatte das zu bedeuten? Was hatte er vor? Ich hatte das beklemmende Gefühl, dass etwas Schlimmes passieren würde. Etwas, das mit seiner Rache zu tun hatte.
Zehn Minuten später stand ich angezogen im Flur. Fabian wartete bereits, sein Gesicht war eine undurchdringliche Maske. Er sagte kein Wort, führte mich wortlos aus dem Haus. Vor der Tür wartete eine seiner Firmenlimousinen. Eine gepanzerte Luxuskarosse, die mehr an einen Bunker als an ein Transportmittel erinnerte.
Die Fahrt verlief in bedrückendem Schweigen. Ich wagte es nicht, ihn anzusehen, geschweige denn, eine Frage zu stellen. Die Spannung in der Luft war so dick, dass man sie hätte schneiden können. Ich blickte aus dem Fenster, mein Herz schlug einen unregelmäßigen Rhythmus.
Die Stadt zog an uns vorbei, vertraute Straßen wurden zu verschwommenen Bildern. Schließlich bog der Wagen in ein Viertel ein, das ich nicht kannte. Hochmoderne Gebäude ragten in den Himmel, ihre Glasfassaden spiegelten die grauen Wolken wider. Es war ein medizinisches Zentrum. Ein hochmodernes Krankenhaus, dessen Anblick mir einen kalten Schauer über den Rücken jagte.
„Warum sind wir hier? ", fragte ich leise, meine Stimme war heiser.
Fabian drehte sich zu mir um, seine Augen waren kalt und leer. „Du wirst erfahren, warum. "
Das Innere des Krankenhauses war steril und makellos. Überall huschten Ärzte und Schwestern in weißen Kitteln umher, ihre Schritte waren leise, ihre Gesichter ernst. Der Geruch von Desinfektionsmitteln lag in der Luft. Ich fühlte mich plötzlich sehr klein und zerbrechlich.
Ein Arzt mit ernster Miene kam auf uns zu, seine Augen wanderten respektvoll zwischen Fabian und mir hin und her. „Herr Flach, Frau Flach. Wir haben alles vorbereitet. "
Vorbereitet? Was war vorbereitet? Mein Herz hämmerte gegen meine Rippen.
„Wofür? ", fragte ich, meine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.
Fabian stieß ein kaltes Lachen aus. „Für unsere Zukunft, Luise. Für unseren Erben. "
Ich spürte, wie mir das Blut aus dem Gesicht wich. Ein eiskalter Schock durchfuhr mich. Er konnte doch nicht…
„Wir werden eine In-vitro-Fertilisation durchführen ", sagte Fabian, seine Stimme war emotionslos. „Du wirst dich einer Eizellentnahme unterziehen. Und dann werden wir unser Kind zeugen. Dein Körper wird mir geben, was du mir in fünf Jahren nicht freiwillig geben konntest. "
Die Welt um mich herum begann sich zu drehen. Ich war nur noch ein Gefäß. Ein Brutkasten. Nichts weiter.
Kapitelliste
25 Kapitel insgesamt
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