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Kapitel 2
Vivian stieß mich mit der Schulter, als ich den Konzertsaal verließ. Es war nicht ihre Schuld, sagte sie, als ich stolperte. Sie sagte es mit einem Lächeln, das ihre Augen nicht erreichte. Ihr Lächeln erreichte nie ihre Augen.
"Schau, wo du hintrittst, Lara", sagte sie. Ihre Stimme war süßlich, aber ihre Worte schnitten wie Messer. "Du bist so tollpatschig. Es ist ein Wunder, dass du es überhaupt hierher geschafft hast."
Ich spürte die Hitze in meinem Gesicht. Ihre Worte waren nicht nur für mich bestimmt. Sie waren für die kleine Gruppe von Menschen gedacht, die uns zufällig beobachteten. Vivian hatte immer ein Publikum.
Ich versuchte, meine Fassung zu bewahren. Ich wollte nicht, dass sie sah, wie sehr ihre Worte mich trafen. Aber es war schwer. Ihre Worte gruben sich immer tiefer in meine Seele ein.
"Manchmal fragt man sich wirklich, warum du überhaupt noch hier bist", fuhr sie fort. Sie trat näher, ihre Stimme sank zu einem Flüstern, das nur ich hören konnte. "Du bringst nur Unglück. Das war schon immer so."
Ihr Blick wanderte zu meinem Bauch. Ein unsichtbarer Schlag traf mich. Ich war in der achten Woche schwanger. Niemand wusste es.
"Du bist nutzlos, Lara", flüsterte sie. "Du warst schon immer nutzlos. Niemand wird dich jemals wirklich lieben."
Ich spürte, wie mir der Atem stockte. Eine Welle der Übelkeit überrollte mich. Ich taumelte rückwärts, meine Hand suchte nach Halt an der kalten Wand.
Vivian lachte leise. Ihre Augen funkelten vor Bosheit. Sie genoss meine Qual. Das tat sie immer.
Plötzlich spürte ich einen Druck in meinem Rücken. Die Wand gab nach. Ich fiel. Mein Kopf schlug hart auf dem Marmorboden auf. Ein scharfer Schmerz durchzuckte mich.
Ich sah Vivians Gesicht über mir. Sie lächelte. Sie genoss es.
Dann hörte ich Schreie. Nicht meine eigenen. Es waren Vivians Schreie.
"Lara, was machst du?!" rief sie. Ihre Stimme war jetzt voller Entsetzen. "Du bist verrückt geworden!"
Ich sah, wie sie zurückwich, als hätte ich sie angegriffen. Die Menschen um uns herum starrten mich an, ihre Gesichter voller Abscheu. Vivian war eine Meisterin der Täuschung.
Ich spürte einen stechenden Schmerz in meinem Unterleib. War es das? War es vorbei? Mein Baby.
"Lasst sie in Ruhe!" Eine tiefe, kräftige Stimme ertönte. "Was zum Teufel ist hier los?!"
Ich sah auf. Ein Mann stand über mir. Er war groß, mit dunklem Haar und scharfen, durchdringenden Augen. David Rapp. Der berühmte Tech-CEO.
Er kniete sich neben mich. Seine Hand legte sich sanft auf meine Stirn. Sie war kühl und beruhigend.
"Geht es Ihnen gut?" fragte er. Seine Stimme war sanft, aber ich hörte eine unterschwellige Wut. "Was ist passiert?"
Ich konnte nicht sprechen. Ich sah nur seine Augen. Sie waren voller Sorge.
Vivian trat vor. "Sie ist verrückt, David", sagte sie. Ihre Stimme war jetzt weinerlich. "Sie hat mich angegriffen. Sie ist eifersüchtig auf mich."
David sah sie an. Sein Blick war kalt und unnachgiebig. "Das glaube ich Ihnen nicht, Vivian", sagte er. Seine Stimme war ruhig, aber ich spürte die Bedrohung dahinter. "Lassen Sie mich das klarstellen. Niemand legt Hand an meine Frau."
Meine Frau. Die Worte trafen mich wie ein Blitz. Ich war nicht seine Frau. Noch nicht.
Er hob mich vorsichtig hoch. Meine Arme schlangen sich instinktiv um seinen Hals. Ich spürte seinen starken Herzschlag. Er war warm. Er war sicher.
"Ich werde Sie nach Hause bringen, Lara", sagte er. Seine Stimme war eine tiefe Beruhigung. "Sie brauchen Ruhe."
Ich nickte. Ich konnte nichts anderes tun. Ich war zu schwach.
Ich war überwältigt. Er war mein Ritter in glänzender Rüstung. Er hatte mich gerettet. Wieder einmal.
Ich hatte David vor einem Jahr kennengelernt. Er war der charismatische CEO eines führenden Technologiekonzerns. Er war mächtig, reich und unnahbar.
Vivian hatte sich ihm als seine Retterin vorgestellt. Jahre zuvor, nach einem schweren Autounfall, hatte Vivian ihm erzählt, sie hätte ihn aus dem brennenden Wrack gezogen. Eine Lüge.
David glaubte ihr. Er fühlte sich ihr ewig dankbar. Diese Dankbarkeit hatte ihn blind gemacht.
Ich hatte mich in David verliebt. Ich hatte mich in seine Stärke verliebt, in seine Güte. Ich hatte geglaubt, dass er mich wirklich liebte. Ich hatte geglaubt, dass er meine Rettung war.
Ich war naiv gewesen.
Unsere Ehe war ein Zweckbündnis für ihn gewesen. Ein Mittel zum Zweck. Um Vivian zu "retten".
Ich konnte es nicht glauben. Ich wollte es nicht glauben.
Aber die Anzeichen waren da. Seine Blicke, die Vivian folgten. Seine Worte, die Vivian verteidigten.
Ich hatte diese Liebe so sehr gewollt. Ich hatte mein ganzes Leben lang nach Liebe gesucht. Ich hatte geglaubt, sie in David gefunden zu haben.
Ich war seine Frau. Aber ich war nicht seine Geliebte. Ich war ein Werkzeug.
Ich hatte das Gefühl, dass mein Herz in tausend Stücke zersprang. Meine Brust zog sich zusammen. Es war, als würde mir jemand die Luft zum Atmen nehmen.
Ich war wieder die Lara, die niemand liebte. Ich war wieder die Lara, die nur Unglück brachte.
Aber dieses Mal war ich nicht allein. Ich trug ein Leben in mir. Mein Baby.
Ich musste mich erinnern. Ich konnte nicht zulassen, dass es endete wie bei meiner Mutter.
Ich musste kämpfen. Für mein Kind.
Kapitelliste
10 Kapitel insgesamt
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