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Kapitel 2

Ich fand eine abgelegene Ecke in der Nähe eines Personalausgangs, weit weg von den klirrenden Gläsern und dem gezwungenen Lachen. Meine Kamera hing schwer um meinen Hals, ein nutzloses Gewicht. Ich musste es noch einmal sehen, um zu bestätigen, dass der Albtraum real war. Durch eine Lücke in einem Blumenarrangement spähend, sah ich sie. Michael. Selina Cole. Das Baby. Sie waren ein perfektes Bild, ein abscheuliches Tableau häuslichen Glücks. Michael beugte sich über den makellos weißen Stubenwagen, sein Lächeln breit und echt, von der Art, die er mir nur noch selten zeigte. Er kitzelte das Baby unter dem Kinn. Das Baby gluckste. Selina, strahlend und selbstgefällig aussehend, legte eine Hand auf Michaels Arm, ihre Finger besitzergreifend. Sie blickte mit bewundernden Augen zu ihm auf. Mein Herz zerbarst. Kein sauberer Bruch, sondern eine unordentliche, zerreißende Qual. Er sah dort so natürlich aus, so … hingebungsvoll. Das Wort aus der früheren Vorstellung hallte nach. „Der hingebungsvolle Vater des Babys.“ Unsere gemeinsamen Freunde, Leute, die auf unsere Hochzeit, auf unsere Schwangerschaft angestoßen hatten, gurrten über Selinas Kind. Sie wussten es. Ihre Lächeln waren zu strahlend, ihr Blick wich meinem zu bewusst aus. Ich war hier die Außenseiterin. Der Geist bei ihrem Festmahl. Meine eigene Schwangerschaft, das Kind, das ich trug, fühlte sich an wie ein Phantomglied, eine unbequeme Wahrheit in ihrer glänzenden, neuen Realität. Er baute sich ein Leben auf, eine Familie, ohne mich. Während ich unsere plante. Die Luft in meinen Lungen wurde zu Asche. Unglaube kämpfte mit einer widerlichen Gewissheit. Das war kein Fehler. Das war kein Missverständnis. Das war eine kalkulierte, grausame Täuschung. Und ich war mitten in ihre Feier hineingestolpert.

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Kapitelliste

45 Kapitel insgesamt

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  2. Kapitel 2Kapitel 2
  3. Kapitel 3Kapitel 3

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