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Kapitel 2

Liona Euler POV:

Ich hielt Kilian davon ab, Danilo zur Rede zu stellen. Es wäre nutzlos. Danilo würde Kilian nicht glauben. Er würde denken, ich hätte Kilian geschickt, um ihn zu manipulieren. Er würde es als einen weiteren meiner „Tricks " abtun.

Er kannte mich nicht. Er hatte mich nie gekannt.

Vor drei Jahren war die Welt von Danilos Familie zusammengebrochen. Die Rupprecht AG stand vor dem Ruin. Ein feindlicher Übernahmeversuch. Kilian und Danilo waren zu dieser Zeit auf einer Geschäftsreise in Frankfurt in einen schweren Autounfall verwickelt. Danilo wurde schwer verletzt und lag im Koma. Kilian war glücklicherweise nur leicht verletzt.

Meine Familie, die Eulers, eine wohlhabende Hamburger Reeder-Familie, gehörte zu Danilos Gläubigern. Mein Vater sah eine Chance. Nicht nur, um unsere Investitionen zu schützen, sondern auch, um mir zu helfen. Er wusste, dass ich Danilo liebte. Er hatte es in meinen Augen gesehen, als ich ihn zum ersten Mal traf.

Ich hatte Danilo während seines Komas monatelang gepflegt. Ich war Tag und Nacht an seinem Bett. Ich wusste nicht, ob er je aufwachen würde. Aber ich hoffte. Ich betete.

Als er die Augen öffnete, war das der schönste Moment meines Lebens. Doch seine ersten Worte galten nicht mir. „Tamina ", flüsterte er.

Mein Herz sank. Ich hatte gehofft, dass er mich sehen würde. Mich. Die Frau, die an seiner Seite war.

Nachdem Danilo aus dem Koma erwacht war und sich langsam erholte, organisierte mein Vater ein großes Fest, um seine Genesung zu feiern und die Allianz zwischen unseren Familien zu besiegeln. Es war ein lauer Sommerabend. Der Wein floss in Strömen. Die Musik spielte leise.

Danilo, noch immer geschwächt, aber schon wieder mit seinem strahlenden Lächeln, tanzte mit allen Damen. Ich beobachtete ihn von Weitem. Meine Liebe zu ihm wuchs mit jedem Tag, den ich an seiner Seite verbrachte.

Später am Abend, als die meisten Gäste gegangen waren, fand ich Danilo allein auf der Terrasse. Er war melancholisch, sah in den sternenklaren Himmel. Er sprach von Tamina. Wie sehr er sie vermisste. Wie er nicht verstehen konnte, warum sie ihn verlassen hatte.

Ich saß neben ihm. Ich hörte zu. Ich tröstete ihn. Ich wollte so sehr, dass er mich sah.

Die Nacht war magisch. Der Mond schien hell. Die Luft war erfüllt vom Duft der Rosen. Wir sprachen stundenlang. Über seine Träume. Über seine Ängste. Über sein gebrochenes Herz.

Ich spürte eine Verbindung zu ihm, die über das rein Körperliche hinausging. Ich glaubte, in diesem Moment, dass er mich auch fühlte.

Und dann passierte es. Ein Kuss. Zärtlich, dann immer leidenschaftlicher. Wir teilten die Nacht miteinander.

Mitten in dieser intimen Umarmung, als unsere Körper eins wurden, flüsterte er einen Namen. Den Namen einer anderen Frau.

Tamina.

Mein Herz zersprang. Ich erstarrte. Er liebte sie noch immer. Ich war nur ein Ersatz. Ein Trostpflaster. Ich hätte ihn aufwecken sollen. Mich von ihm lösen sollen. Aber ich war zu schwach. Zu verliebt.

Ich ließ es geschehen. Ich war egoistisch. Ich wollte ihn für eine Nacht. Nur für eine Nacht. Ich wollte nicht seine Ehe zerstören. Ich wollte nur ein kleines Stückchen seines Herzens.

Ein paar Tage später stand Tamina vor unserer Tür. Sie war wütend. Sie warf meinem Vater vor, sie mit Geld vertrieben zu haben. Sie behauptete, sie wüsste von unserer Nacht.

Mein Vater, der meine Liebe zu Danilo sah, handelte schnell. Er bot Tamina zehn Millionen Euro an, um endgültig zu verschwinden. Sie nahm das Geld.

Dann nutzte mein Vater seine Macht und sein Kapital. Er rettete Danilos Firma vor dem Ruin. Unter einer Bedingung: Danilo sollte mich heiraten.

Ich schwieg. Ich liebte ihn so sehr. Ich hoffte, dass meine Liebe mit der Zeit seine Wunden heilen würde. Dass er Tamina vergessen würde. Dass er mich sehen würde.

Ich war naiv.

Danilo heiratete mich. Aus Rache. Er glaubte, ich hätte ihn manipuliert. Ich hätte Tamina vertrieben. Er glaubte, ich hätte seine Firma erpresst.

Unsere Hochzeitsnacht war brutal. Keine Liebe. Nur Schmerz. Seine Augen waren voller Hass. Er behandelte mich wie eine Hure. Es war eine Bestrafung.

Drei Jahre lang lebten wir nebeneinander her. Eine Ehe voller Kälte und Verachtung. Ich versuchte immer wieder, mit ihm zu reden. Die Wahrheit zu erklären. Aber er glaubte mir nicht. Er sah mich als manipulative Erpresserin.

Irgendwann gab ich auf. Ich hörte auf, um seine Liebe zu kämpfen. Ich wandte mich meinen Pflichten zu. Ich kümmerte mich um Danilos Firma, die Rupprecht AG. Ich baute wohltätige Stiftungen auf, die Frauen und Kindern in Not halfen. Ich fand Trost darin, anderen zu helfen.

Kilian, Danilos jüngerer Bruder, beendete sein Architekturstudium und kam in die Firma. Er war der Einzige, der mich wirklich sah. Der meine Bemühungen anerkannte. Er wurde mein Assistent. Mein Vertrauter. Er sah, wie Danilo mich behandelte. Er schämte sich für seinen Bruder.

„Er wird es irgendwann verstehen, Liona ", sagte Kilian oft. Seine Stimme war voller Hoffnung. „Er wird sehen, was für ein Herz du hast. "

Ich lächelte traurig. „Ich glaube nicht, Kilian. Und ich weiß nicht, ob ich dann noch da sein werde. "

In diesem Moment kam der Arzt ins Zimmer. Er hielt eine Spritze in der Hand. „Frau Euler, ich habe Ihnen ein Schmerzmittel gegeben. Es sollte Ihnen etwas Erleichterung verschaffen. " Er legte ein kleines Päckchen auf meinen Nachttisch. „Hier sind weitere Schmerzmittel für zu Hause. Achten Sie auf Ihre Ernährung. Nehmen Sie sich nicht zu viel vor. "

Kilian nickte. „Ich kümmere mich darum. Ich bringe ihr etwas zu essen mit. "

Ich lächelte ihn an. „Du musst das nicht tun. "

„Doch, muss ich ", sagte er. Seine Augen waren ernst. „Was möchtest du essen? "

Ich zuckte mit den Achseln. „Mir ist alles recht. "

Kilian verließ das Zimmer. Eine Stunde später kam er mit einer Tüte zurück. Er hatte mir eine leichte Suppe und belegte Brote mitgebracht. Ich aß nur ein paar Löffel. Mein Magen zog sich zusammen. Doch ich wusste, ich musste etwas essen.

Kaum hatte ich aufgegessen, klingelte mein Handy. Ich zuckte zusammen. Es war Danilo. Kilian sah mich an. „Mach den Lautsprecher an ", bat er.

Ich nickte und drückte auf den Lautsprecher. Danilos Stimme drang kalt und emotionslos aus dem Telefon. „Liona. Ich habe dir gesagt, du sollst gehen. Ich erwarte, dass du deine Sachen gepackt hast. Tamina zieht ein. " Die Verbindung wurde gekappt.

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Kapitelliste

10 Kapitel insgesamt

  1. Kapitel 1Kapitel 1
  2. Kapitel 2Kapitel 2
  3. Kapitel 3Kapitel 3

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