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Kapitel 2

Maileen Lücke POV:

Die Erinnerung an das erste Leben war ein scharfer Dorn in meiner Brust. Nach der Scheidung hatte Daniels PR-Maschinerie mich zermalmt. Die Boulevardpresse hatte mich als „eifersüchtige Ex-Frau " und „kalter Engel " betitelt. Daniel und Annabella hingegen wurden als tragisches Paar inszeniert, als Opfer einer bösartigen Online-Hetzkampagne. Er war der edle Retter, sie die zerbrechliche Prinzessin. Eine perfekte Lüge.

Doch diesmal würde es anders sein.

Ich hob den Kopf und sah Daniel direkt in die Augen. Meine Stimme war ruhig, fast gelangweilt. „Ich unterschreibe. "

Daniel zögerte. Eine leichte Falte bildete sich auf seiner Stirn. Er hatte eine andere Reaktion erwartet. Tränen, Bitten, Wut. Nicht diese eiskalte Gleichgültigkeit.

„Aber… ", setzte er an.

Ich hob eine Hand. „Ich habe eine Bedingung. "

Er sah mich überrascht an. „Was auch immer du willst, Maileen. Du bekommst es. " Er klang erleichtert. Wahrscheinlich dachte er, ich würde eine astronomische Summe fordern.

„Ich verzichte auf jeglichen Unterhalt. Aktuell und zukünftig. Ich verzichte auf jedwede Abfindung. Ich verzichte auf das Penthouse, die Wohnung am Wannsee, die Villa in Kitzbühel. Auf alles. "

Daniel blinzelte. Annabella, die sich immer noch an ihn klammerte, hob ihren Kopf leicht und sah mich verwirrt an. Ihr siegessicherer Ausdruck schwand. Das passte nicht in ihr Drehbuch.

„Ich will nur meine Freiheit ", fuhr ich fort, meine Stimme fest. „Und ich will, dass du mich nie wieder kontaktierst. Keine Anrufe, keine Nachrichten, keine E-Mails. Nicht du, nicht dein Anwalt, nicht dein PR-Team. Keiner von euch. Ich verschwinde aus deinem Leben. Endgültig. "

Daniel stand da, wie angewurzelt. Er hatte erwartet, dass ich um unsere Ehe kämpfen würde. Dass ich mich an ihn klammern würde. Aber ich war kein Opfer mehr. Ich war eine Überlebende.

Er schluckte schwer. „Maileen, das ist… das ist nicht nötig. Ich kann für dich sorgen. Ich will, dass du abgesichert bist. "

Ich lächelte bitter. „Es ist absolut notwendig, Daniel. Glaub mir. " Ich nahm den Füller, der auf dem Tisch lag. Er war schwer und elegant, wie alles in diesem Penthouse. Meine Hand zitterte nicht, als ich die Unterschrift unter die Scheidungspapiere setzte. Maileen Lücke. Ein Strich für ein neues Leben.

Ich schloss die Augen für einen Moment. Das war' s. Die Trennung eines Lebens, das ich einmal für mein Glück gehalten hatte. Die Befreiung aus einem goldenen Käfig.

Ich sah Daniel an. Seine Augen waren voller Fragen. „Warum so schnell? Warum… so kalt? "

„Weil es vorbei ist, Daniel ", erklärte ich. Meine Stimme war emotionslos. „Es war schon lange vorbei. Du hast es nur nicht bemerkt. " Meine Worte trafen ihn wie ein Schlag.

Er schien nach Luft zu ringen. „Aber… wir hätten das doch anders lösen können. Ich hätte dich doch nicht im Stich gelassen. Ich hätte dich beschützt. "

Ich lachte leise, ein kaltes, hohles Geräusch. „Beschützt? Daniel, du hast mich in den Abgrund gestoßen. Du hast mich verbrannt, um Annabella zu wärmen. " Die Wahrheit war brutal.

Annabella räusperte sich leise. Ich sah ihre triumphierende Miene, die sie schnell zu einem besorgten Ausdruck veränderte. Sie schob ihre Hand tiefer in Daniels Armbeuge, als wollte sie ihren Besitzanspruch markieren. Daniel sah mich an, dann Annabella. Er war gefangen in seiner eigenen Opfergeschichte.

Meine Gedanken rasten. In meinem früheren Leben hatte ich mich an seine Entschuldigungen geklammert. Die Nachrichten, die er mir geschickt hatte, voller Reue und Versprechen. „Es tut mir leid, Maileen. Ich liebe dich. Warte auf mich. Wir kommen wieder zusammen. " Ich hatte geglaubt. Ich hatte gewartet. Und er hatte sich nie gemeldet.

Er hatte seine Freunde auf mich gehetzt. Sie hatten versucht, mich zu manipulieren, mich zu überzeugen, dass ich falsch lag. „Daniel liebt dich doch! Er ist nur so unter Druck. Sei verständnisvoll! " Sie wussten nichts von Annabellas Intrigen. Ich hatte mich gewehrt, hatte geschrien, aber es hatte alles nichts genützt. Daniel hatte mich geopfert. Für Annabella, für sein Image.

Ich stand auf. „Die Papiere sind unterschrieben. Ich bin dann weg. Ich erwarte, dass du dich an unsere Vereinbarung hältst. " Ich nahm meine kleine Handtasche. Das war alles, was ich brauchen würde.

Daniel starrte mich an, seine Lippen bewegten sich lautlos. Er schien nicht zu wissen, was er sagen sollte. Er hatte die Kontrolle verloren. Ein seltenes Bild.

„Maileen, bitte… ", flüsterte er.

Ich schüttelte den Kopf. „Kein 'Bitte', Daniel. Es gibt nichts mehr zu bitten. " Ich sah Annabella an. Ihre Augen blitzten auf. Ein Lächeln zuckte um ihre Lippen. Das war der Moment, in dem ich endgültig wusste: Sie würde dafür bezahlen. Beide würden dafür bezahlen. Ich würde meine zweite Chance nutzen. Ich würde sie zerstören.

Ich verließ das Penthouse. Ohne einen Blick zurück. Ohne eine einzige Träne. Die Tür schloss sich hinter mir. Das war' s. Berlin lag hinter mir. Mein altes Leben lag hinter mir.

Drei Tage später. Die Medien explodierten. Daniel Siemens und das zerbrechliche Model Annabella Schreyer. Eine Liebesgeschichte, die unter Tränen begann. Die „böse Ex-Frau " Maileen Lücke, die Daniel Siemens angeblich erpresst hatte. Die Schlagzeilen waren vergiftete Pfeile, aber diesmal trafen sie nicht mein Herz. Sie prallten an meiner neuen Rüstung ab.

Annabella schickte mir eine Nachricht. Ein Foto von ihr, strahlend, in unserem Penthouse. Eine Champagnerflasche in der Hand, neben Daniel auf der Couch. Ihr Blick war triumphierend. Der Text dazu: "Du hast deine Chance gehabt, Maileen. Jetzt ist er meins. Und ich habe alles, was du früher hattest."

Ich blickte auf das Bild. Mein Herz schlug nicht schneller. Keine Wut, keine Trauer. Nur eine kalte, klare Erkenntnis. Sie provozierte mich. Sie wollte eine Reaktion. Aber ich war nicht mehr die Frau, die sie kannte. Annabella hatte keine Ahnung, was ich vorhatte.

Ich tippte eine Nachricht an Bastien Kühne, meinen alten Freund. Den brillanten IT-Forensiker, den ich vor Jahren vor einer falschen Anklage bewahrt hatte. Er war meine einzige Chance, mein scharfes Schwert.

„Bastien, bist du bereit? Der Plan beginnt. "

Wenige Tage später. Eine große Wohltätigkeitsgala in Berlin. Daniel sollte dort eine wichtige Rede halten. Eine perfekte Inszenierung für sein neues Image. Seine Assistentin rief mich an.

„Frau Lücke, Herr Siemens würde sich freuen, wenn Sie heute Abend anwesend wären. Es wäre wichtig für die öffentliche Darstellung. "

Ich lachte leise. „Die öffentliche Darstellung? Du meinst, als Requisite für seine neue Show? "

Sie schwieg.

Ich wusste genau, was Daniel wollte. Er wollte mich als die verlassene, aber verständnisvolle Ex-Frau präsentieren. Eine Frau, die immer noch an ihm hing, aber ihre Rolle spielte. Er wollte mich kontrollieren. Und ich würde ihn spielen lassen. Fürs Erste.

„Ich komme ", sagte ich knapp und legte auf. Ich stellte mir Daniel vor, wie er dachte, er hätte gewonnen. Wie er dachte, ich würde vor Sehnsucht nach ihm sterben. Wie er dachte, ich würde seinen Anweisungen folgen. Er würde sich irren.

Die Gala war prunkvoll. Blitzlichtgewitter. Berühmte Gesichter. Daniel Siemens, der strahlende Gastgeber. Und an seiner Seite, Annabella Schreyer, die scheinbar zerbrechliche Frau, die er gerettet hatte. Sie trug ein bodenlanges rotes Kleid, das ihre Figur betonte. Ihr Lächeln war süßlich, ihre Augen glänzten.

Sie waren das perfekte Paar, medial inszeniert. Daniel schützte sie vor den Kameras, legte einen Arm um ihre Taille. Die Fotografen schrien ihren Namen.

Ich stand etwas abseits, beobachtete sie. Daniel sah zu mir. Ein kurzer, flüchtiger Blick. Ein Hauch von Verwirrung in seinen Augen. Ich erwiderte seinen Blick nicht. Ich war nur ein Geist aus seiner Vergangenheit.

Ein Journalist trat an mich heran. „Frau Lücke, ein Statement zum Abend? Und zu Ihrer Scheidung von Herrn Siemens? "

Ich atmete tief ein. Das war mein Moment. Mein erster Auftritt in meinem neuen Leben.

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Kapitelliste

10 Kapitel insgesamt

  1. Kapitel 1Kapitel 1
  2. Kapitel 2Kapitel 2
  3. Kapitel 3Kapitel 3

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