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Kapitel 2 kapitel 2

Kapitel 2 Jemand zerrte an mir. Diese wiederholten Bewegungen holten mich nach und nach aus meiner Bewusstlosigkeit zurück, doch meine Gedanken waren noch immer vollkommen verworren.

Was ging hier eigentlich vor?

Schließlich gelang es mir, die Augen zu öffnen. Sofort packte mich das blanke Entsetzen: Derek beugte sich halb nackt über mich, ein lüsternes Lächeln auf den Lippen. Was tat er da mit mir?

Da begriff ich endlich, wo ich mich befand. Ich lag auf meinem Bett, und ich hatte kaum noch etwas am Körper.

„Aaaah!“

Der Schrei entfuhr mir, bevor ich ihn zurückhalten konnte. Derek warf sich auf mich und presste mir die Hand auf den Mund, um mich daran zu hindern, noch einmal zu schreien.

Ich versuchte, durch seine Handfläche hindurch zu protestieren. Mit meinen Augen flehte ich ihn an, mich gehen zu lassen, doch er schenkte meinem stummen Flehen keinerlei Beachtung.

Er zog mich noch näher an sich heran und flüsterte:

„Sieh mich nicht so an, als würdest du überhaupt nichts verstehen, Rosalie. Ich weiß, dass du nicht besonders schlau bist, aber wir wissen doch beide, dass du mich willst …“

Ich schüttelte verzweifelt und immer wieder den Kopf. Er schien jedoch nicht gewillt zu sein, mir auch nur ein Wort zu glauben.

Meine Augen füllten sich mit Tränen, während er mich mit unverhohlener Gier musterte.

Derek hielt mich mit seinen Knien fest, sodass ich mich nicht mehr bewegen konnte, und dann begannen seine Hände, über meinen Körper zu wandern. Ich versuchte zu schreien und wehrte mich mit aller Kraft, doch es war vergeblich. Die Tränen liefen über meine Wangen, während ich darum kämpfte, ihm zu entkommen.

„Na so etwas, Rosalie … Du bist wirklich zu einer hübschen jungen Frau herangewachsen.“

Ich empfand nichts als tiefen Abscheu für ihn.

Er senkte den Kopf zu meiner beinahe entblößten Brust. Genau in diesem Augenblick hörte ich, wie Isis’ Absätze draußen im Flur widerhallten.

„Derek?“, rief sie.

Zum ersten Mal in meinem Leben war ich froh, ihre Stimme zu hören.

Derek lockerte seinen Griff für einen kurzen Augenblick. Ich nutzte die Gelegenheit, um mich mit aller Kraft zur Seite zu rollen und mich aus seiner Gewalt zu befreien. Ich griff nach dem einzigen Kleidungsstück, das ich auf dem Bett entdecken konnte, und rannte ins Badezimmer, verfolgt vom Klang seines Lachens.

Ich schloss die Tür hinter mir ab. Ich musste mein Weinen unter Kontrolle bringen und wieder zu Atem kommen. Ich atmete so schnell, dass mir bald schwindelig werden würde, wenn ich mich nicht beruhigte.

Ich hörte, wie sich die Tür zu meinem Schlafzimmer öffnete, und dann trat Isis ein.

„Warum dauert das bei dir so lange?“, fragte sie mit schriller Stimme.

„Ich habe mir ein bisschen die Zeit vertrieben“, erwiderte Derek.

„Wo sind deine Kleider geblieben, verdammt noch mal, Derek?“

Sie hatte ihre Stimme erhoben. Wenige Sekunden später begann sie, gegen die Tür des Badezimmers zu hämmern.

„Wie kannst du es wagen, meinen Sohn zu verführen, du Flittchen? Du bist nichts weiter als eine dreckige Hure! Ich kann nicht glauben, dass ich deine Anwesenheit so lange ertragen habe!“

Wie konnte sie sich nur einbilden, ich hätte versucht, Derek zu verführen?

Ich konnte meine Tränen nicht länger zurückhalten. Auf allen vieren kroch ich zur Dusche und drehte das heiße Wasser auf. Es ergoss sich über meinen Körper, und ich erhöhte die Temperatur so lange, bis meine Haut sich rötete. Ich wollte das Gefühl von Dereks Händen auf meiner Haut auslöschen. Ich ertrug den Gedanken nicht, dass auch nur die geringste Spur seiner Berührungen an mir zurückbleiben könnte.

Ich wusch mich so schnell und so leise, wie es mir nur möglich war.

*Bitte sorgt dafür, dass er geht*, flehte ich in Gedanken. *Ich will, dass er endlich verschwindet.*

Bis zu diesem Tag war Derek dank der Mondgöttin noch nie so weit bei mir gekommen. Seine Mutter hatte ihn immer genau im Auge behalten. In ihren Augen war ich zu wertvoll: Ich war eine Einnahmequelle, die sie zu verkaufen gedachte, sobald sich die Gelegenheit dazu ergab.

Und nun hatten sie den idealen Käufer gefunden: den mörderischen Alpha von Drogomor.

Meine Tränen flossen so lange, bis ich keine einzige mehr vergießen konnte.

Auf der anderen Seite der Tür ging ihr Streit unterdessen unvermindert weiter.

„Das ist hoffentlich nicht dein Ernst?“ Isis sprach so laut, dass ich sie trotz des rauschenden Duschwassers deutlich hören konnte. „Hör auf, dich mit diesem Flittchen zu vergnügen, Derek. Unser hochgeschätzter Gast wird gleich eintreffen, und wir können ihn nicht warten lassen. Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, was dich an diesem Mädchen so sehr interessiert.“

„Mutter, such dir doch etwas, womit du dich beschäftigen kannst, und hör auf, dich in meine Angelegenheiten einzumischen!“, gab Derek zurück. „Ich werde mit ihr machen, was ich will.“

„In diesem Fall kannst du Beta Talon selbst erklären, warum du zu spät kommst!“

Isis wusste offensichtlich ganz genau, wie sie mit ihrem Sohn umgehen musste. Dieses Mal erwiderte Derek nichts. Zumindest konnte ich durch die geschlossene Tür keine Antwort mehr hören.

Die Meinung seiner Mutter kümmerte ihn nur selten, und die meines Vaters noch sehr viel weniger. Er respektierte niemanden. Dennoch schien selbst ein Ungeheuer wie er Angst davor zu haben, dem Alpha von Drogomor nicht zu gehorchen.

„Beeil dich“, sagte Isis voller Verachtung.

Ich hörte, wie die Tür zum Schlafzimmer wieder geschlossen wurde.

Ich drehte das heiße Wasser ab. Daraufhin klopfte Derek leicht von der anderen Seite gegen die Badezimmertür.

„Du hast Glück gehabt, Rosalie. Aber irgendwann wird dich dein Glück schon noch verlassen.“

Rasch zog ich das Kleidungsstück an, das ich mitgenommen hatte, schloss den Reißverschluss an meinem Rücken und richtete meine Haare so gut, wie es mir möglich war.

Ich holte tief Luft und versuchte, das Zittern meiner Hände unter Kontrolle zu bringen. Mit etwas Glück war Isis noch nicht weit gegangen.

*Lasst nicht zu, dass er mich noch einmal anfasst. Ich bitte Euch, Göttin, helft mir!*

Als ich die Tür öffnete, wanderte Dereks gieriger Blick sofort über meinen Körper. Jetzt, da ich wusste, was er mir antun wollte, konnte ich den Gedanken nicht länger ertragen, auch nur eine weitere Minute mit ihm allein zu bleiben.

Ich versuchte, an ihm vorbeizugehen, doch er packte mich am Kiefer und zog mich ganz dicht an sein Gesicht heran. Ein leises Wimmern entfuhr mir bei der Vorstellung dessen, was ihm dabei durch den Kopf gehen mochte.

„Wenn der Alpha von Drogomor mit dir fertig ist, wirst du mir gehören. Ich werde dich dazu bringen, mich anzuflehen, dich Lust empfinden zu lassen, kleine … Schwester.“

Mir war viel zu übel vor Abscheu, um ihm darauf etwas erwidern zu können.

„Sieh dich an, Rosalie!“

Er packte mich im Nacken, zerrte mich zurück ins Badezimmer und zwang mich dazu, mich vor den Spiegel zu stellen.

Erst jetzt erkannte ich das wunderschöne weiße Kleid, das ich angezogen hatte.

Sein trägerloses Oberteil ließ meine seidig glatten Schultern frei, über die mein rotbraunes Haar herabfiel. Das zart bestickte Mieder betonte meine schmale Gestalt. Die Diamanten, mit denen es verziert war, funkelten im schwachen Licht des Raumes, während der leichte Rock aus Musselin anmutig an meinen schlanken Beinen hinabglitt.

Ich liebte alles an diesem Kleid, jedes einzelne Detail.

Wie hätte es auch anders sein können? Es war ein Geschenk meiner geliebten Mutter, das Einzige, was mir von ihr geblieben war.

Sie hatte es für die Zeremonie vorbereitet, mit der ich ins Erwachsenenalter eintreten würde, für jenen Tag, an dem ich meinem Gefährten begegnen sollte. Einige Jahre zuvor hatte mein Vater es verkaufen wollen. Ich hatte ihn angefleht, es mich behalten zu lassen. Ich wusste, dass ich damit seinen Zorn auf mich ziehen würde, doch ich konnte es nicht verlieren. Es war mir gelungen, es zu behalten, allerdings um den Preis der schlimmsten Prügel, die ich in meinem ganzen Leben hatte ertragen müssen.

*Mama, du fehlst mir mehr als alles andere auf der Welt …*

Als Tochter eines Alphas hätte ich respektiert, geliebt und umsorgt werden sollen. Man hätte mich verwöhnen und wie eine Prinzessin behandeln sollen. Eines Tages, wenn ich alt genug gewesen wäre, hätte ich in diesem Kleid meinen Gefährten getroffen. Er hätte mich angesehen, als wäre ich das schönste Mädchen auf der ganzen Welt.

Vielleicht wäre mein Gefährte selbst ein Alpha gewesen, der mich zu seiner Luna gemacht hätte. Welcher Vater, welche Mutter hätte nicht voller Stolz verkündet, dass die eigene kleine Prinzessin nun zu der Königin wurde, die sie ihrem Schicksal nach sein sollte?

Stattdessen stand ich hier und wurde behandelt, als wäre ich vollkommen wertlos, als hätte ich es nicht einmal verdient, dass sich irgendjemand um mich kümmerte.

Im Spiegel konnte ich die roten Abdrücke rings um meinen Hals erkennen. Jahrelange Misshandlungen hatten blaue Flecken und Narben auf meiner Haut hinterlassen. Meine hellblauen Augen waren vom Weinen gerötet. Ich erkannte mich selbst darin wieder … und gleichzeitig erkannte ich mich überhaupt nicht mehr.

Das junge Mädchen, das mir aus dem Spiegel entgegenblickte, tat mir von Herzen leid.

Warum widerfuhr mir all das? Was hatte ich getan, um eine solche Behandlung zu verdienen?

Endlich hatte ich dieses wunderschöne Kleid anziehen dürfen. Doch ich trug es nicht, um meinem Gefährten zu begegnen.

Ich trug es, um meinen neuen Herrn zu empfangen: einen erbarmungslosen Fremden, einen gefährlichen Mann.

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  2. Kapitel 2Kapitel 2 kapitel 2
  3. Kapitel 3Kapitel 3 kapitel 3

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