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Kapitel 2 Opfer Eines Gezielten Angriffs
Ein bitteres Lächeln umspielte Gabriellas Lippen. Das war also immer sie für ihn.
Eine Stunde später traten Gabriella und Damian aus dem Zivilgericht von Yorkstadt, jeder mit einem rechtskräftigen Scheidungsurteil in der Hand.
Hayleigh wartete ungeduldig an der Bordsteinkante. Ihre Augen leuchteten auf, als sie die Scheidungspapiere in Damians Hand sah. Endlich hatte sie sich das Recht verdient, mit Damian verheiratet zu sein, und die Chance gekriegt, den Titel Frau Nunez auf ehrliche und gerechte Weise zu tragen.
Sie setzte einen falschen besorgten Blick auf, als sie zu Gabriella hinübersah. Etwas an dieser Frau hatte sich verändert, denn ihre markanten Züge wirkten jetzt noch fesselnder, doch eine kalte und unnahbare Aura umgab sie, die es schwer machte, ihrem Blick standzuhalten. Hayleigh war schon immer eifersüchtig auf dieses Gesicht gewesen. Jetzt würde sie es nie wieder ansehen müssen.
„Die Familie will dich nicht mehr, und du gehst mit leeren Händen“, säuselte Hayleigh mit widerlich süßer Stimme, „hast du überhaupt einen Ort, wo du hingehen kannst?“
In ihren Augen war Gabriella nichts weiter als ein Landei aus dem Rostgürtel von Ohio. Es war ein Segen für sie gewesen, überhaupt mit der Familie Blair verbunden zu sein, aber nun war dieser Segen dahin.
Gabriella stieß ein kaltes, humorloses Lachen aus. Selbst jetzt tat Hayleigh noch so, als würde sie sich um sie sorgen. Scharf und unbarmherzig schossen ihr die Erinnerungen durch den Kopf. Als die Familie Blair endlich herausfand, dass sie bei der Geburt vertauscht worden war, hatten sie sie sofort zu entfernten Verwandten in den Rostgürtel abgeschoben, ohne sich je nach ihr zu erkundigen oder sich um sie zu kümmern. Erst als sie achtzehn wurde, holten sie sie zurück nach Yorkstadt, im selben Jahr, in dem sie Damian kennengelernt hatte.
Und Hayleigh hingegen, die leibliche Tochter der Familie Blair, war zwei Jahre zuvor gefunden und umgehend auf ein elitäres Privatinternat in der Schweiz geschickt worden, um sie Damian Nunez, dem Erben vom altem Geld, würdig zu machen. Erst als Hayleigh endgültig nach Yorkstadt zurückkehrte, erfuhr Gabriella die Wahrheit: Die Familie hatte ihre leibliche Tochter bereits gefunden und wollte mit ihr nichts mehr zu tun haben.
Da sie sie nie aufgezogen hatten, bedeutete Gabriella der Bruch der Beziehungen gar nichts. Sie war nur nach Yorkstadt zurückgekommen, um herauszufinden, was mit ihren leiblichen Eltern geschehen war. Außerdem hatte sie endlich erfahren, warum man sie überhaupt weggeschickt hatte: Sie war nie eine Blair gewesen, gar nicht blutsverwandt.
Und erst vor wenigen Tagen hatte sie zufällig ein Gespräch von Damians Freunden mitangehört und die Wahrheit erfahren, er habe schon früh die süße, unschuldige Hayleigh auf einer Geschäftsreise in Europa kennengelernt und sich auf den ersten Blick unsterblich in sie verliebt. Als Hayleigh nach Yorkstadt zurückkam, stürzten sie sich also in eine stürmische Romanze.
Hayleigh hatte Gabriella sogar wiederholt explizite Fotos von sich und Damian im Bett geschickt, nur um sie zu verhöhnen und zu demütigen. Eine Ehebrecherin wie sie war zu dreist und schamlos bis zum Äußersten.
Gabriella würdigte sie eines einzigen gleichgültigen Blickes. „Machen Sie sich keine Umstände, Fräulein Blair. Wohin ich gehe, geht Sie nichts an.“
Sie würdigte Damian keines einzigen Blickes, winkte mit kerzengeradem Rücken am Straßenrand ein gelbes Taxi heran und stieg ein. Die Tür schlug hinter ihr zu. Sie war so entschlossen gegangen, weil sie von der anderen schrecklichen Sache wusste, die Damian getan hatte.
Damians Hand umklammerte das Scheidungsurteil so fest, dass seine Knöchel weiß hervortraten und die Adern auf seinem Unterarm anschwollen. Sie war auf und davon gegangen, ohne ihn auch nur einmal anzusehen. Aber warum war ihr Gang so merkwürdig gewesen? So seltsam?
Er starrte dem Taxi nach, wie es im Verkehr von Yorkstadt verschwand, und sein Blick blieb noch lange auf die leere Straße geheftet, nachdem es fort gewesen war, unfähig, wegzusehen.
„Damian, das ist perfekt!“, schwärmte Hayleigh und hakte sich bei ihm unter, „dieses Landei ist endlich weg, und wir können richtig zusammen sein, für alle Welt sichtbar.“ Sie war so überglücklich, dass sie es kaum erwarten konnte, ihre Eltern anzurufen und ihnen die gute Nachricht zu überbringen.
Ein kalter Schimmer blitzte in Damians Augen auf, doch seine Stimme klang sanft und zärtlich, als er sprach: „Hayleigh, lass mich dich nach Hause fahren.“
„Oh, das ist wunderbar!“, strahlte Hayleigh, „Papa wird sich so freuen, wenn er hört, dass du geschieden bist. Lass uns sofort nach Hause fahren und ihm die gute Nachricht überbringen!“
In Damians Augen wirbelten kaum unterdrückte Gefühle, die für niemanden außer ihm selbst lesbar waren. Er blickte auf die süße, unschuldige junge Frau vor sich herab und formte ein sanftes, mildes Lächeln. „Natürlich, Hayleigh. Gehen wir und sagen es deinem Vater sofort.“
„Ja!“ Hayleigh war außer sich vor Freude, Gabriella endlich für immer loszuwerden. All das war dem makellosen Plan ihrer Mutter zu verdanken, der Damian und Gabriella ein für alle Mal zur Scheidung gebracht hatte.
Damian hielt den Wagen vor dem prächtigen Stadthaus der Familie Blair an der Oberen Ostseite. Sein Handy in der Tasche vibrierte, und auf der Anrufer-ID leuchtete der Name des CEOs der H.Y. Holdinggesellschaft auf. Er bat Hayleigh, auszusteigen und drinnen auf ihn zu warten. Hayleigh nickte gehorsam, stieg aus und wartete auf den Stufen vor dem Eingang.
„Hallo?“, meldete sich Damian mit tiefer und rauer Stimme, seine Züge scharf und kalt.
Eine spöttische, aber zutiefst beeindruckte Stimme ertönte am anderen Ende der Leitung: „Na, na. Ihre Vertriebsleiterin hat wirklich Nerven. Sie ist in meinem Lagerhaus aufgetaucht, hat mir ein Messer an die Kehle gehalten und mich gezwungen, diesen verdammten Vertrag zu unterschreiben. Ich habe ihr eine Kugel in die Seite gejagt, und sie hat das Ding direkt vor meinen Augen mit bloßen Händen wieder rausgeholt. Ich habe in meinem Leben noch nie eine Frau bewundert, aber Ihre Gabriella? Sie ist die Eine. Atmet sie noch?“
Damians Pupillen zogen sich heftig zusammen, und das Blut in seinen Adern gefror zu Eis. „Was haben Sie gerade gesagt?“
Kapitelliste
509 Kapitel insgesamt
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