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Kapitel 3

Mein Vater wollte Damien damals eine Lektion erteilen.

Er sollte seinen Platz kennen.

Er sollte begreifen, dass seine einzige Pflicht mir galt.

Ich sollte seine ganze Welt sein, die Frau, die er über alles andere stellen musste.

Ich erinnere mich noch genau an das Gefühl meines kleinen Stiefels auf seiner breiten Schulter.

Mein Herz hämmerte wild in meiner Brust.

In diesem einen Augenblick wurde mir klar, dass ich ihm völlig verfallen war.

Aber ich war zu jung.

Zu blind vor Liebe, um die tiefe, brennende Demütigung in seinen Augen zu erkennen.

Nach diesem Tag verlangte ich nie wieder, dass er vor mir niederkniete.

Sein Stolz bedeutete mir mehr als alles andere.

Und jetzt stand ich hier.

Ich musste mit ansehen, wie er sich freiwillig auf den Boden sinken ließ.

Voller Hingabe.

Für eine andere Frau.

Für Eve.

Er sah zu ihr auf, und in seinem Blick lag eine Zärtlichkeit, die mir die Kehle zuschnürte.

Dieser Anblick war unerträglich.

Es war eine reine, zerstörerische Qual.

Ich zwang mich, den Blick abzuwenden.

Ich gab meinem Pferd die Sporen.

Midnight, mein mächtiger schwarzer Wallach, schoss sofort in den Galopp.

Ich trieb ihn immer weiter an.

Der kalte Wind peitschte mir ins Gesicht und betäubte für einen kurzen Moment das Chaos in meiner Seele.

Ich musste einfach fliehen.

Ich musste dieser erstickenden Realität entkommen.

Auf dem Reitplatz gab es einen anspruchsvollen Hindernisparcours.

Hohe Sprünge, enge Wendungen.

Ich lenkte Midnight direkt darauf zu und trieb ihn an seine absoluten Grenzen.

Wir rasten auf einen gewaltigen Oxer zu.

Midnight spannte jeden Muskel an und katapultierte sich in die Luft.

In diesem Bruchteil einer Sekunde hörte ich ein lautes, trockenes Knacken.

Der Sattelgurt war gerissen.

Ich wurde gnadenlos aus dem Sattel geschleudert.

Der Aufprall auf dem harten Boden raubte mir den Atem.

Ein brennender, alles verzehrender Schmerz schoss durch mein Bein.

Midnight geriet in Panik.

Der reiterlose Wallach schlug wild um sich, seine massiven Hufe verfehlten meinen Kopf nur um Haaresbreite.

Durch einen dichten Nebel aus Schmerz suchte ich verzweifelt nach Damien.

Er stand noch immer bei Eve.

Er kehrte mir den Rücken zu, völlig blind für meine Todesangst.

Er sollte mein Beschützer sein.

Das war seine einzige verdammte Aufgabe während dieser Reitstunden.

Er hatte kläglich versagt.

Er war viel zu sehr damit beschäftigt, sie anzuhimmeln.

„Damien!“, schrie ich.

Meine Stimme brach vor purer Verzweiflung und unerträglicher Qual.

Endlich drehte er sich um.

Entsetzen weite seine Augen.

Mit einer fast unmenschlichen Geschwindigkeit war er plötzlich an meiner Seite.

Er packte Midnights Zügel.

Ein einziges, leises Kommando aus seinem Mund reichte aus, um das panische Tier sofort zu beruhigen.

Er wusste, wie man wilde Bestien bändigte.

Das hatte er auf der Straße gelernt.

Er sollte mein Leben beschützen.

Doch weil er nur Augen für Eve hatte, wäre ich fast gestorben.

Als ich wieder zu mir kam, lag ich in einem Krankenhausbett.

Mein Bein war gebrochen.

Damien schien von Schuldgefühlen zerfressen zu sein.

Er bestand darauf, mich persönlich zu pflegen.

Er war der perfekte Betreuer.

Aufmerksam, sanft und rücksichtsvoll.

Er brachte mir mein Essen, las mir vor und sorgte dafür, dass ich nicht leiden musste.

Für ein paar Tage ließ ein naiver Teil in mir einen winzigen Funken Hoffnung zu.

Vielleicht bedeutete ich ihm doch etwas.

Vielleicht hatte ihm dieser Unfall endlich die Augen geöffnet.

Doch dann sah ich, wie seine Augen jedes Mal aufleuchteten, wenn Eve zu Besuch kam.

Ich sah das heimliche Lächeln, das sie austauschten, wenn sie dachten, ich würde nicht hinsehen.

Und meine erbärmliche Hoffnung zerfiel sofort zu Staub.

Mein Bein heilte langsam.

Eines Nachts wachte ich auf und musste auf die Toilette.

Der schwere Gips machte jede Bewegung zur Qual.

Ich humpelte mühsam den stillen, sterilen Flur des privaten Krankenhausflügels entlang.

Da hörte ich plötzlich Stimmen.

Sie kamen aus einer kleinen Nische in der Nähe des Schwesternzimmers.

Es waren Javier und Damien.

„Du bist dieses Mal viel zu weit gegangen, Damien“, zischte Javier leise, aber bedrohlich. „Ihren Sattelgurt anzuschneiden? Sie hätte sich das verdammte Genick brechen können.“

Mein Blut gefror in meinen Adern.

Ich presste mich flach gegen die kalte Wand.

Mein Herz schlug so laut, dass es in meinen Ohren dröhnte.

Damiens Antwort war von einer erschreckenden, eisigen Ruhe.

„Ich hätte nicht gedacht, dass das Pferd so durchdreht. Nach meinen Berechnungen hätte es nur ein leichter Sturz sein dürfen. Höchstens eine Verstauchung. Gerade genug, um ihr Angst einzujagen und sie abhängiger von mir zu machen. Dieses gebrochene Bein ... das war ein unglücklicher Zufall.“

Er hatte meinen Sturz berechnet.

Es war kein Unfall gewesen.

Es war ein eiskalter Plan.

„Und das hier ist jetzt deine Buße?“, fragte Javier spöttisch. „Den hingebungsvollen Pfleger zu spielen?“

„Ich ziehe das durch“, erwiderte Damien völlig emotionslos. „Dann ist die Sache erledigt. Sie wird wieder gesund, und wir können endlich zur Tagesordnung übergehen.“

Eine heftige Welle der Übelkeit überrollte mich.

Eine tödliche Kälte breitete sich von meiner Brust in jeden Winkel meines Körpers aus.

Es war ein Frieren, das absolut nichts mit der Klimaanlage des Krankenhauses zu tun hatte.

Er hatte mir das angetan.

Mit voller Absicht.

Nur um mir Angst einzujagen.

Um mich gefügig zu machen.

Ich biss mir so fest auf die Lippe, dass ich den metallischen Geschmack von Blut auf der Zunge spürte.

Aber den Schmerz nahm ich gar nicht wahr.

Die Zerstörung in meiner Seele war so gewaltig, dass sie alles andere auslöschte.

Das war kein einfacher Verrat mehr.

Das war pure, abgrundtiefe Bösartigkeit.

Das ist im Moment alles, was verfügbar ist.

Lies weiter, um die Geschichte fortzusetzen.

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24 Kapitel insgesamt

  1. Kapitel 1Kapitel 1
  2. Kapitel 2Kapitel 2
  3. Kapitel 3Kapitel 3

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